Barba Erectus – Der aufrechte Bart

Wer sich einen Bart wachsen lässt, der weiss, dass er persönlich davon profitieren kann. Ich will meine Stammleser nicht langweilen und Vorteile optischer und praktischer Natur aufzählen, aber die Fülle an positiven Effekten der Bartes ist schlichtweg überwältigend. Dass man also als Individuum auf vielen Ebenen profitiert liegt auf der Hand. Dass der Bart aber auch die ganze Menschheit weitergebracht haben könnte, ist für die meisten wahrscheinlich neu.

Runter von den Bäumen

Die menschlichen Vorfahren trieben sich die meiste Zeit in den Bäumen herum. Am ganzen Körper behaart und noch vergleichsweise primitiv saßen die Ur-Großvorväter am Ast und vertrieben sich die Zeit. Was auch immer da oben passiert sein mag, es muss wohl eine Ursache gegeben haben, von den Bäumen zu steigen und sein Leben auf der Erde weiterzuführen. Vielleicht war es die unsichere Nachtruhe auf den schmalen Ästen, oder das eingeschränkte Nahrungs- und Getränkeangebot. Der Vor-Mensch betrat also den Erdboden.

Ein kleiner Schritt

Wohl war der erste Schritt weit weniger elegant und auch medial deutlich weniger präsent, als der kleine Hüpfer von Neil Armstrong, den er vor laufender Kamera auf den Mond (oder in irgendeinem Fernsehstudio) zeigte, aber die Bedeutung für die Menschheit war auf jeden Fall weitreichender. Statt im Baumhaus sitzen wir heute in der Stahlbetonkammer und statt der Witterung und den Jahreszeiten prägt das Fernsehprogramm heute unser Leben. In punkto Eleganz darf man aber getrost davon ausgehen, dass der erste Baumflüchtling nicht etwa eine Telemark Landung hingelegt hat, sondern auf allen Vieren gelandet ist.

Vierbein

Was nach dieser Landung geschah, ist Geschichte. Allerdings gibt es verschiedene Theorien über die Beweggründe für den speziellen weiteren Verlauf. Als moderner Mensch marschiert man auf zwei Beinen. Das hat verschiedene Vorteile. Neben den hübschen Gesäßmuskeln, die speziell an den weiblichen Exemplaren recht sehenswert ausfallen ist der Hauptvorteil wohl, dass wir uns die Hände nicht mehr schmutzig machen. Die oberen Extremitäten stehen für Bartpflege und andere, weniger wichtige Tätigkeiten zur Verfügung. Wem, oder was wir die Entscheidung die Hände aus dem Staub zu nehmen verdanken ist nicht überliefert. Dass es eine gute Entscheidung war, sieht man heute. Zu den Beweggründen von Ur…..ur-Opa habe ich eine völlig neue Theorie entwickelt.

Enthaarung

Frisch vom Baum gesprungen begann der Mensch direkt damit, sein Haarkleid der aktuellen Mode anzupassen. Pelz war out und so wurde das körpereigene Haarkleid auf das nötigste reduziert. Schon damals hatten die männlichen Urmenschen stylemäßig die Nase vorn und verzichteten nicht auf die Gesichtsbehaarung. Nackt, aber verdammt gut aussehend bewegten sich die Vorfahren also auf allen Vieren. Glaubt man meiner Theorie, dann allerdings nur für die ersten 1.750 Tage.

Auf die Größe kommt es an

Früher waren die Menschen kleiner. Man darf also annehmen, dass auch die Armlänge, die heute so um die 60-70cm beträgt, damals geringer ausgefallen ist. Nehmen wir an, dass auch das Barthaar ähnlich schnell, wie heute gewachsen ist und nehmen wir weiters an, dass damals noch keine Barttrtimmer, oder Rasiermesser zur Verfügung standen und auch der erste Barbershop noch in der Planung steckte, dann lässt sich mit einem Taschenrechner, etwas Logik und ein paar Informationen leicht berechnen, was den ersten Menschen zum aufrechten Gang gezwungen hat.

Kinn zu Boden

Auch wenn der erste Bartträger nach heutigem Maßstab recht klein war, trug er sein Kinn wohl trotzdem stolze 70 cm über dem Boden. Während er sich so auf allen Vieren durch die Urzeit bewegte wuchs unaufhaltsam sein Barthaar. Ohne es zu kürzen gewinnt die Gesichtebehaarung Tag für Tag 0,4 mm. In einer Woche sind das 2,8 mm, pro Monat etwa 1,2 cm und pro Jahr etwa 14,5 cm. Wir erinnern und an die angenommene Kinnhöhe von 70 cm und dividieren durch die 14,5 cm jährlichen Zuwachs. Nach 4,8 Jahren erreicht der Bart des männlichen Homo nocht nicht erectus das Bodenniveau. Direkt danach beginnen die Probleme.

Das geht doch nicht

Müllabfuhr, Kanalisation, oder Toiletten kannte man damals noch nicht. Vom hygienienischen Standpunkt aus, war der Boden damals also eher ein Milieu in das man seinen Bart nicht freiwillig hängt. Ganz zu schweigen natürlich davon, ihn täglich durch den Dreck zu schleifen. Neben der Verunreinigung, die sich durch das Verhältnis Bartlänge zur Armlänge ergibt, kommt noch ein weiterer sehr lästiger und gefährlicher Faktor dazu. Setzt man bedächtig eine Hand vor die andere, dann kann man dem Bart durchaus ausweichen. Die Armhaltung erinnert dann zwar an einen British Bulldog, aber man vermeidet es, auf den Bart zu treten. Anders sieht es aus, wenn dem Fast-Menschen ein Freßfeind im Nacken sitzt.

Wehende Bärte

In der Hektik der Flucht und auf der Suche nach einem Unterschlupf kann es passieren, dass man die Hände auf den Bart setzt. Das ist nicht nur unelegant, wenn man aber im vollen Lauf vor dem Säbelzahntiger wortwörtlich ins Gras beißt, dann ist das Gelächter der Zuseher ein recht kleines Problem. Aber auch abseits von lebensbedrohlichen Situationen muss es einfach nerven, sich ständig auf den Bart zu treten. Es bleiben also zwei Möglichkeiten. Die erste Variante wäre es, die Rasur zu erfinden. Einerseits ein recht komplexes Thema, für dessen Lösung sicherlich einige Zeit erforderlich gewesen wäre und andererseits auch die schlechteste Lösung. Da wächst fast 5 Jahre lang ein wunderbarer Vollbart. Warum sollte man ihn abrasieren. Es bleibt also nur eine sinnvolle Variante.

Bart hoch

Addiert man zur Länge der Arme auch noch die Länge der Beine, dann ergibt sich eine Höhe von mindestens 120cm. Weiß man, dass Haar nach etwa 7 Jahren das Wachsen einstellt und ausfällt, dann kann man diese Höhe durchaus als sichere Höhe für ein bärtiges Kinn bezeichnen. Die Lösung ist einfach, aber genial. Bei dem Versuch den Bart aus der Gefahrenzone zu heben hat der Mensch ganz nebenbei den aufrechten Gang mit all seinen Vorteilen entwickelt. Und weil die Frauen schon damals nicht ständig zu den Männern aufblicken wollten, haben sie sich kurzerhand entschlossen, ebenfalls den Kopf zu heben.

Danke Bart

Hätte der Mensch nicht den Bartwuchs entwickelt, dann würden wir heute wahrscheinlich immer noch auf Händen und Füßen herumlaufen. Alltägliche Tätigkeiten, wie Autofahren, Staubsaugen, oder Glühbirnen auswechseln würden ganz anders ablaufen. Zwar hat die Entscheidung für den aufrechten Gang auch den Einsatz von BH´s erforderlich gemacht, aber unterm Strich überwiegen die Vorteile. Ohne Bart würde die Menschheit heute wohl immer noch im Staub kriechen. Vielen Dank Bart!

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