Papa Bart, Vater und Bartträger

Es gibt ein paar Dinge im Leben eines Mannes, an die er sich sein ganzes Leben erinnert. Bei all den tollen und schönen, aber auch den traurigen und tragischen Momenten gibt es einen, oder mehrere, die ganz besonders sind. Momente, bei denen einem warm ums Herz wird, wenn man sich daran erinnert. Zu den Momenten gehört bei vielen Männern die Geburt des Kindes, oder auch der Kinder. Ein erhebender Augenblick, der Beginn einer neuen Ära und der Anfang einer neuen Karriere. Einer Karriere als Vater.

Experte

Als mehrfacher Vater, ich erspare Euch Details, wie die Anzahl meiner Kinder, darf ich mich getrost als Experte bezeichnen. Die Korrelation zischen Vater und Bart ist meiner Erfahrung nach signifikant. Bartträger zeichnen eine Reihe von Eigenschaften aus. Eigenschaften, die man braucht um sich einen Bart wachsen zu lassen, ihn großzuziehen, jeden Tag zu pflegen, sauber zu halten und mit Stolz zu tragen helfen auch in der Kindererziehung. So, wie man den Bart aufzieht und vom ersten Stoppel zum ausgewachsenen Vollbart begleitet, so darf man den Weg seiner Kinder ein Stück weit mitgehen, ihnen den Rücken freihalten und sie schließlich loslassen, damit sie ihren eigenen Weg gehen können. Gut, einen gravierenden Unterschied gibt es allerdings doch. Der Bart wird niemals ausziehen, sondern bleibt bei uns, auch wenn alle flügge werden. Ist aber ein Bartträger ein besserer Vater, als ein rasierter Mann?

Töchter und Bärte

Es gibt eine ganz besondere Bindung zwischen Vätern und Töchtern. Die Beziehung läuft ganz anders, als die mit den Söhnen und als Vater trägt man sehr viel Verantwortung. Durch sein Verhalten, seine Einstellung, aber auch durch seinen Stil prägt man das männliche Idealbild der Töchter. Passt die Beziehung und sieht die Kleine im Vater einen guten Vater, dann bestehen realistische Chancen, dass sie später einen ähnlichen Mann als Partner sucht. Neben den Charaktereigenschaften prägt aber auch der Vollbart das Weltbild der Töchter. Der Bart übt auf die kleinen Prinzessinen bereits eine Faszination aus. Sie haben Spaß daran ihn zu berühren, wenn wir sie tragen. Zahlreiche Videos auf Youtube beweisen, dass eine Rasur die Töchter zum Weinen bringt. Ich habe einige dieser Videos gesehen. Papa präsentiert seine glückliche Tochter, verschwindet im Bad und kommt rasiert zurück. Die Tochter weint und erkennt ihn nicht mehr. Ein Video mit einem Sohn habe ich dazu nicht gesehen.

Söhne und Testosteron

Bei den Söhnen sieht die Welt ganz anders aus. Eher auf die Mutter fixiert ist die Beziehung zum Vater geprägt vom Kräftemessen. Grenzen werden ausgetestet und die eigene Überlegenheit angestrebt. Je älter der Sohn wird, desto wichtiger wird es ihm, den Vater zu übertreffen. Bei aller Achtung und allem Respekt geht es bei den kleinen Männern eher um Wettkämpfe. Besser, schneller, größer wollen sie sein und als Vater hat man alle Hände voll zu tun, nicht das Gesicht zu verlieren. Allerdings ist es auch sehr positiv, wenn sich Interessen von Vater und Sohn grundlegend überschneiden. So kann man gemeinsam mit beeindruckenden schweren Maschinen arbeiten, Motoren zerlegen und Holz fällen. Natürlich muss Papa dem Sohn auch allerhand zeigen, was man als Mann wissen muss.

Stilsicher einschulen

Als Vater eines Sohnes hat man irgendwann die schöne Aufgabe, dem Sohn das Rasieren beizubringen. Was Bartlose durch eine simple Einweisung am Trockenrasierer und den Hinweis auf die nächste Steckdose erledigen, das kann ein bärtiger Vater deutlich besser. Speziell der Flaum des Jünglings ist mit dem Rasiermesser, oder dem Rasierhobel viel einfacher zu beseitigen, als mit dem Elektrorasierer. Wo andernorts nach fünf Minuten Surren der Trockenrasierer bereits wieder im Badezimmerschrank verstaut wird, da ist beim stilsicheren Bartträger erst mal das Rasierhandtuch befeuchtet und aufgewärmt. Der Rasierschaum wird aufgeschlagen und das Messer abgezogen. Tradition, Lebensqualität und Stil sind die Werte, die man dem Sohn, statt einem Elektrogerät mit auf den Leben geben sollte.

perfekter Vater

Einen perfekten Vater macht allerdings viel mehr aus, als der Bart. Erfüllt man aber sonst alle Eigenschaften, dann ist der Vollbart das Tüpfelchen auf dem i, ein Extrapunkt in der Wertung. Es beginnt schon bei der Geburt. Ich hatte ein paarmal das Vergnügen und auch wenn es einige Frauen gibt, die die Angelegenheit in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne erledigen, dauert eine Geburt meist zahlreiche Stunden. Dummerweise wählen Kinder vorzugsweise die Nacht-, oder die frühen Morgenstunden für den nullten Geburtstag aus. Kaum auf der Welt und abgenabelt wird der Nachwuchszwerg oberflächlich saubergemacht und in einen XL-Strampelanzug verpackt. Danach dürfen sich Mama und Papa daran erfreuen. Mama hat nach der Geburt oft noch andere Sorgen und ein Ärzteteam bringt Alles wieder in Ordnung, während Papa und der neue wichtigste Mensch in seinem Leben Zeit miteinander verbringen dürfen. Prägende Minuten für beide.

Kaktuskuscheln

Ist der Vater bekennender Rasierer und rückt seinem armen Bart täglich morgens zu Leibe, dann rächt sich das in dieser Situation. Der Bart wächst im Laufe eines Tages 0,7 mm. Je nach Dauer und Zeitpunkt der Geburt haben sich die Barthaare also wieder ordentlich aus der Haut gearbeitet und präsentieren sich in ihrer unangenehmsten Form. Wie ein Reibeisen fühlt sich Papas Schnute an und der kleine Mensch, zartes und weiches mütterliches Innenleben gewohnt, wird direkt auf den Boden der grausamen Realität gebracht. Papa schmirgelt bei jeder gutgemeinten Liebkosung einmal ordentlich über die Babyhaut. Kein guter Start für eine unbelastete Beziehung!

Bart, was sonst?

Trägt Vater einen ordentlichen Bart, dann profitiert der Nachwuchs auf allen Ebenen. Warm, weich und kuschelich ist das väterliche Gesicht. Eine Wohltat für das Kind und angenehme Berührungsreize, die gleich den Tastsinn des Kleinen anregen und einige seiner ersten Erfahrungen auf dieser Welt bilden. Nicht zu vergessen ist auch die wissenschaftlich bewiesene Keimfreiheit des Bartes. Während sich im rasierten Gesicht Keime herumtreiben, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen würde, ist das Bärtchen deutlich weniger belastet. Das Babyimmunsystem darf sich also freuen und bekommt beim ersten Knuddeln noch keine schwer zu lösende Aufgabe.

… Vater sein dagegen sehr

Als Vater hat man einige neue Aufgaben dazugewonnen. Männliches Rollenvorbild für den Nachwuchs, Lehrmeister, Beschützer und Ernährer. Verschiedene Aufgaben mit unterschiedlicher Komplexität, aber alle haben eines gemeinsam. Es wird leichter, wenn man einen Bart trägt. Steigt ein herber Duft aus der frisch geöffneten Windel, dann hilft ein Bartöl mit kräftig frischem Duft im Moustache, das man vorsorglich einarbeitet. Ist kein Teddy zur Hand, dann kann der Nachwuchs uns den Bart kraulen um besser einzuschlafen. Und wenn es sonst keinen Vorteil bringt, dann kann man immer noch einen kurzen Blick in den Spiegel werfen und dem gutaussehenden Vater wissend zuzwinkern. Der bärtige Vater hat es oft auch nicht leichter, als der Bartlose, aber er sieht dabei einfach wesentlich besser aus!

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