Weich, weicher, Vollbart – Plädoyer für die Bartpflege

Heute mal eine hervorragende, eine gute, eine wunderbare, eine tolle Neuigkeit! Wir haben das 21. Jahrhundert! (Eigentlich wollte ich 2016 schreiben, möchte meinem bärtigen Nachfahren, der meinen Blog weiterführen wird aber das überarbeiten in 84 Jahren ersparen 😉 ) Das bedeutet für den Bart, dass die goldene, ach was schreib ich, die platinerne, die diamantene Zeit begonnen hat. Wer heute Vollbart trägt, dem fehlt es an nichts und die Bartpflege ist einfach und umfangreich, wie nie!

Wie der Vater, so nicht der Bart

Während Papa, der Arme, früher als einzigen Lichtblick im Fortschritt der Bartpflege ein Spiralkabel zum neuen Rasierer bekommen hat und sich eines Tages über das Wunder Akku freuen durfte, so erlebt die Bartpflege einen Höhenflug, dass man als Bartträger versucht wäre, Höhenangst zu bekommen. Da wird der Bart genährt, geschützt und gefüttert, das Barthaar zum Quellen, Wachsen und Glänzen gebracht und der Überlänge mit Geräten zuleibe gerückt, die vor wenigen Jahrzehnten höchstens bei bei der Vereinigten Federation der Planeten als Requisiten vorstellbar waren. Der Bartträger fühlt sich morgens im Bad an die Szene aus der Matrix erinnert, in der die Trinity und Neo beim Operator einmal Waffen bestellen. So, oder so ähnlich läuft es ab, wenn man den Badezimmerschrank öffnet und die Hand schützend vor die Augen hebt um vom Glanz der zahlreichen Bartpflegeprodukte nicht geblendet zu werden!

Gut so!

Aber ist das nicht wunderbar? Während Opa und seine Vorfahren ihre Gesichtsbehaarung mit rostigen Scheren und dünnem Haarwasser bearbeiten mussten, steht uns eine Palette zur Verfügung, die Bob Ross einmal ausgelassen euphorisch werden lassen würde. Bart wird zur Vorsilbe und was auch immer, wird mit dem Prefix Bart produziert. Bartöl, Bartschere, Bartkamm, Bartbürste, Bartshampoo, Bartpflege in allen Facetten. Und das Schöne daran ist, dass das Zeug auch Sinn hat! Jetzt mal ehrlich, ich bin ja nicht so der Trendige, der auf jeden Zug Aufspringer, einer der alles haben muss und überall dabei ist, aber in letzter Zeit hab ich mir doch das eine, oder andere in meinen Bart massiert und kann ganz deutlich und mit Nachdruck festhalten: Das wirkt!

Bartpflege? Braucht man!

Hat Opa nicht gehabt, braucht man nicht. So, oder so ähnlich argumentiert manch Kurzzeit-Bartträger. Ist erst die 3-Tage-Bart-Phase überstanden, dann beginnen nämlich die Pflegeversäumnisse sich bemerkbar zu machen und das aufstrebende Bärtchen wird als Strafe für die eigenen Versäumisse abrasiert.

Duschgel ist eine feine Sache, aber auch wenn der Bart nach der Behandlung damit sieben Minuten lang nach Patchouli und handgepressten Drachenfrüchten duftet, trocknet es die Gesichtshaut und das Barthaar aus. Wer sich mit Muttis Bürste durch den, mit ungeeigneten Substanzen und vielleicht sogar wild trockenfrottierten Bart fährt um Ordnung zu schaffen, der startet den Tag mit Tränen in den Augen. Man glaubt es als Außenstehender vielleicht nicht, oder hält es für arglistige Marketingstrategien, aber ein Bartkamm reißt nicht am Bärtchen. Wie, warum und wieso kann ich nicht schlüssig erklären, aber mit dem Birnenholzkamm vorbereitet, macht der Bart auch mit der Bartrbürste eine schmerzfrei gute Figur.

Rein damit

Ja, es wirkt wie Abzocke. Plötzlich braucht man ein Bartöl, ein Bartwachs und allerhand Bartfirlefanz zum glücklich sein, aber warum sollte man in der Moderne wie Opa Neandertaler herumlaufen. Die alten Herrschaften hatten auch kein Airbag und statt Verhütung gabs ins Feuer starren. Die Bartpflege ist kein Mythos und wer nicht unter schweren Durchblutungsstörungen, Nervenleiden oder zwei formschönen Handprothesen leidet, der spürt das auch. Nein, dachte ich selbst und hab meinen Bart erst mal wachsen lassen. Unter Tränen das Prachtstück geradegezogen und mich über den ungepflegten Look der widerspenstigen Barthaare geärgert.

Begonnen hat es mit einem Bartshampoo und Holla, die Bartfee, danach war alles anders. Manch einer wird hartnäckig das bärtige Haupt schütteln und seinem Misstrauen deutlichen Ausdruck verleihen. Dabei sollte der Bartpflegeverweigerer aber mal darauf achten, wie das Bärtchen sich verhält, wenn er den Trotzkopf schüttelt. Ja, da bewegt sich nichts. Von der groben Konsistenz jahrhunderteealtem Rosshaars, das aus der Matratze eines beliebten und mehrfach verwendeten Sterbebetts gebrochen wurde, ist der ungepflegte Bart, wenn man ihn mit einem ordentlichen Vollbart vergleicht!

Versuch und Wirkung

Gewaschen mit einem feuchtigkeitsspendenden, speziell auf die Bartbedürfnisse abgestimmten Bartshampoo. Gekämmt für die Glätte und Entfernung der Knoten. Bearbeitet mit einem Bartbalsam, der Haut und Haar entspannt, Entzündungen verhindert und die oberste Hautschicht mit Feuchtigkeit anreichert. Das Barthaar mit einem unsichtbaren Film aus feinsten Ölen umgeben, die liebevoll mit einem männlichen Duft verfeinert wurden, der in verschiedenen Intensitäten die Nase angenehm umspielt. Das wunderbare Bartöl mit einer Bartbüste mit Wildschweinborsten gleichmäßig eingearbeitet und die darunterliegende Haut wohlig stimuliert. Der Moustache mit Bartwachs fixiert und der Bart mit feiner Bartpomade in Form gebracht. Der prüfende Griff der kritischen Mitbewohnerin schafft Klarheit. Das knirscht auch nichts mehr, wenn man durch den Bart fährt. Die Ausstattung ist keine Pflicht, sie ist eine Chance. Eine Chance aus widerborstiger Problembehaarung einen Bart zu schaffen, der die Finger zärtlich umspielt, wenn man damit verträumt durch den Bart fährt, ohne Hautschäden zu verursachen.

Lass nur machen

Wer neu ist, im bärtigen Business, der muss nicht gleich das Sparschwein schlachten. Einmal umdrehen und gut schütteln reicht, damit die paar Groschen rausfallen, die ein Profi für eine Erstbehandlung nimmt. Rein in den Barbershop des Vertrauens, das Bärtchen vorzeigen und den Meister machen lassen. Anders als beim labernden Herrenfriseur sollte dem Barber aber auch mal ein Ohr geschenkt werden. Wer Barber wird, dem liegen Bärte am Herzen und wer Bärte mag, der tritt auch für eine angemessene Pflege ein. Der Barber berät Dich und sagt Dir, wo es langgeht. Du solltest Dir das unbedingt anhören! Am Ende der Behandlung wird Dein Bärtchen dann mit den feinsten und besten Bartpflegeprodukten verwöhnt und wer bis dahin noch nie ein Bartöl im Bart hatte, der kommt aus dem Aha gar nicht mehr raus.

Dr. Jekyll und Mr. Bart

Wenn die letzte Kompresse entfernt, der Barberchair wieder aufrecht gerückt wird und Du die Augen zaghaft öffnest, dann widerstehe dem Reflex, Dein unerwartetes Spiegelbild freundlich zu grüßen. Ja, das bist Du mit Bart. Diesen Anblick kannst Du Dir und dem Rest der Welt mit der richtige Bartpflege jeden Tag bescheren. Lass die struppig verwirrten Zeiten hinter Dir, nimm Dir die paar Minuten am Morgen und mach Deinen Bart zu einem Meisterwerk. Jeden Tag!

Ähnlich bärtige Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.