Idiocracy hatte Unrecht – Der Vollbart rettet die Menschheit

Der Film Idiocracy beginnt mit einer Theorie, die gleichzeitig absurd, böse und unangenehm einprägsam ist. Während gebildete Menschen jahrelang darüber nachdenken, ob jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für Kinder ist, ob die Karriere schon stabil genug läuft, die Wohnung groß genug ist und man nicht vielleicht doch erst noch diese eine Fernreise machen sollte, haben andere diese Zweifel offenbar nicht. Generation um Generation verschiebt sich dadurch im Film die Zusammensetzung der Bevölkerung, bis die Menschheit schließlich in einer Zukunft landet, in der Pflanzen mit Energydrinks gegossen werden und grundlegendes Denken bereits als verdächtig intellektuelle Tätigkeit gilt. Wissenschaftlich sollte man diese Ausgangsidee nicht allzu ernst nehmen. Als Satire funktioniert sie allerdings hervorragend. Vor allem deshalb, weil der Film eine entscheidende Variable vollständig übersehen hat: den Vollbart.

Die Rechnung wurde ohne den Bartträger gemacht

Die gesamte Theorie von Idiocracy geht nämlich davon aus, dass intelligente Männer irgendwann so sehr mit Nachdenken beschäftigt sind, dass sie die Fortpflanzung praktisch vergessen. Das mag für einige Exemplare zutreffen. Ein Mann mit prächtigem Vollbart besitzt jedoch einen gewaltigen evolutionären Vorteil, den das Drehbuch vollkommen ignoriert. Er kann sich noch so viele Gedanken über Weltpolitik, Quantenphysik oder die langfristige Entwicklung seines ETF-Portfolios machen – sobald er mit einem gepflegten Vollbart einen Raum betritt, übernimmt ein wesentlich älteres biologisches Kommunikationssystem. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, was dieser Mann weiß. Es geht auch darum, wie beeindruckend sein Gesicht dabei aussieht.

Intelligenz allein war vielleicht nie das Problem

Natürlich gibt es keinen seriösen wissenschaftlichen Satz, nach dem intelligente Männer automatisch Vollbart tragen. Das wäre schon deshalb schwierig, weil die Geschichte genügend Gegenbeispiele mit glatten Gesichtern hervorgebracht hat und umgekehrt auch ein Bart keinen Menschen beim Wachsen mit zusätzlicher Bildung versorgt. Für unsere Betrachtung spielt das jedoch keine Rolle. Wir betreiben schließlich keine Populationsgenetik, sondern ernsthafte Bartphilosophie. Und innerhalb dieser Disziplin dürfen wir zumindest feststellen, dass ein gepflegter Vollbart einem Mann Eigenschaften verleiht, die bei der Partnersuche nicht unbedingt hinderlich sind: Er lässt das Gesicht markanter erscheinen, signalisiert Reife und kann einem Menschen eine Präsenz geben, für die andere erst einen maßgeschneiderten Anzug und sehr gutes Licht benötigen.

Die Natur hat offenbar einen Notfallplan

Damit eröffnet sich eine völlig neue Lesart der menschlichen Zukunft. Nehmen wir an, der nachdenkliche Mann hat tatsächlich die Tendenz, Familienplanung etwas zu ausführlich zu analysieren. Er erstellt Tabellen, vergleicht Schulen, rechnet Wohnkosten hoch und fragt sich, ob die Welt in zwanzig Jahren überhaupt noch lebenswert sein wird. Ohne Bart könnte dieses Verfahren tatsächlich so lange dauern, bis sich die Frage biologisch von selbst erledigt hat. Mit Vollbart greift jedoch irgendwann der natürliche Notfallmechanismus ein. Der Mann begegnet einer Frau, sie findet ihn interessant, das Leben entwickelt eine gewisse Eigendynamik und plötzlich stellt sich heraus, dass nicht jede wichtige Entscheidung vorher durch eine Excel-Tabelle muss.

Der Vollbart verkürzt Entscheidungsprozesse

Das ist möglicherweise der unterschätzteste Beitrag des Bartes zur Entwicklung der Menschheit. Er vereinfacht komplexe Situationen. Ein glattrasierter Mann muss unter Umständen lange erklären, wer er ist, was er kann und warum es sich lohnt, ihn näher kennenzulernen. Der Vollbart übernimmt einen Teil dieser Kommunikation bereits im Vorfeld. Er sagt nicht zwangsläufig „Dieser Mann ist intelligent“, aber zumindest etwas in der Richtung von „Hier steht jemand, der genügend Geduld besitzt, mehrere Jahre lang etwas wachsen zu lassen, ohne alle drei Wochen nervös zum Trimmer zu greifen“. Geduld, Konsequenz und die Fähigkeit, langfristige Ziele zu verfolgen, sind nun nicht gerade die schlechtesten Eigenschaften für eine Spezies, die verhindern möchte, irgendwann Pflanzen mit Sportgetränken zu bewässern.

Attraktivität ist evolutionär nicht ganz unwichtig

Hier kommt ein Punkt ins Spiel, den Idiocracy bei seiner großen Zukunftsrechnung ebenfalls etwas knapp behandelt. Fortpflanzung hängt nicht ausschließlich davon ab, wer Kinder haben möchte. Zunächst braucht man meistens jemanden, der diese Idee zumindest grundsätzlich teilt. Attraktivität, Ausstrahlung und Partnerwahl spielen dabei eine gewisse Rolle. Und genau hier betritt der Vollbart selbstbewusst die Bühne. Ein Bart verändert die Wahrnehmung eines Gesichts deutlich. Er kann Kiefer und Konturen betonen, das Gesicht reifer erscheinen lassen und vor allem einen Mann aus einer Menge hervorheben. Ob jede Frau Bärte attraktiv findet, ist natürlich Geschmackssache. Aber eine Welt, in der niemand Vollbart attraktiv findet, möchte ich ohnehin nicht als seriöses Zukunftsszenario diskutieren.

Das Idiocracy-Problem dreht sich plötzlich um

Aus dieser Perspektive entsteht eine vollkommen andere Entwicklung. Nicht der dümmste Mann hat zwangsläufig den größten Fortpflanzungserfolg, sondern möglicherweise jener, der seine intellektuellen Fähigkeiten rechtzeitig mit einem ordentlichen Bart kombiniert hat. Während andere noch versuchen, sich über fragwürdige Sprüche oder übertriebene Selbstdarstellung interessant zu machen, sitzt der Vollbartträger entspannt da und lässt sein Gesicht arbeiten. Er kann sich sogar erlauben, vernünftige Dinge zu sagen. Der Bart sorgt dafür, dass das trotzdem maskulin aussieht. Damit wäre eines der zentralen Probleme des Films bereits entschärft: Der intelligente Mann muss nicht zwischen Denken und Attraktivität wählen. Er kann beides gleichzeitig erledigen.

Ein Bart ist gewissermaßen evolutionäres Marketing

Man könnte den Vollbart deshalb als Verpackung betrachten. Der Inhalt mag hervorragend sein, aber niemand kauft ein Produkt ausschließlich wegen seiner inneren Werte, wenn die Verpackung aussieht, als wäre sie seit 1997 im Keller gelagert worden. Ein Bart kann dem vorhandenen Inhalt eine angemessene Präsentation geben. Er macht aus dem ruhigen Mann nicht automatisch einen Abenteurer und aus dem Mathematiker keinen Wikinger, aber er kann zumindest den Eindruck erzeugen, als hätte dieser Mathematiker schon einmal einen Baum gefällt. Das erweitert die Zielgruppe beträchtlich.

Dann kommen die Söhne ins Spiel

Entscheidend wird es spätestens in der nächsten Generation. Söhne beobachten ihre Väter. Sie übernehmen Sprache, Verhaltensweisen, Interessen und erstaunlich oft auch modische Entscheidungen, gegen die sie sich mit vierzehn noch vehement gewehrt haben. Ein Junge, der mit einem vollbärtigen Vater aufwächst, lernt dadurch früh eine zentrale Wahrheit: Ein erwachsener Mann muss nicht jeden Morgen sein gesamtes Gesicht freilegen. Der Bart gehört einfach dazu. Vielleicht findet er ihn als Kind kratzig und als Teenager peinlich. Irgendwann steht er jedoch selbst vor dem Spiegel, entdeckt die ersten ernstzunehmenden Haare am Kinn und erinnert sich daran, dass sein Vater damit eigentlich ziemlich gut ausgesehen hat.

Bartkultur wird sozial vererbt

Genau hier beginnt die eigentliche Revolution. Selbst wenn Bartwuchs biologisch natürlich nicht einfach nach dem Prinzip „Vater mit Bart gleich Sohn mit Bart“ funktioniert, kann die Haltung zum Bart sehr wohl weitergegeben werden. Wer in einem Umfeld aufwächst, in dem ein Vollbart als selbstverständlich, gepflegt und attraktiv gilt, wird später vermutlich weniger wahrscheinlich in Panik geraten, sobald das eigene Gesicht länger als vier Tage nicht rasiert wurde. Aus einer Generation bärtiger Väter kann dadurch eine Generation entstehen, für die der Vollbart kein Statement mehr ist. Er wäre schlicht Normalzustand.

Das verändert die Zukunft entscheidend

Stellen wir uns also die Welt von Idiocracy noch einmal vor, diesmal mit dieser Variable. Die intelligenten Männer verschwinden nicht langsam aus dem Genpool, weil sie mit Nachwuchs so lange warten, bis niemand mehr übrig ist. Stattdessen entdecken sie rechtzeitig den Vollbart, gewinnen dadurch an Ausstrahlung und finden Partnerinnen, die sich von der Kombination aus funktionierendem Gehirn und überzeugendem Gesichtshaar nicht abschrecken lassen. Es entstehen Kinder. Diese Kinder wachsen in Haushalten auf, in denen Bücher existieren, vernünftige Gespräche stattfinden und gleichzeitig ein prächtiger Vollbart am Frühstückstisch sitzt. Damit sieht die Zukunft bereits deutlich freundlicher aus.

Töchter lernen ebenfalls etwas dabei

Auch die Töchter dieser Familien darf man nicht unterschätzen. Wer mit einem gepflegten Vollbart im familiären Umfeld aufwächst, entwickelt möglicherweise eine gewisse Qualitätskontrolle. Ein ungepflegter Drei-Tage-Wildwuchs wird dann nicht automatisch als beeindruckende Gesichtsbehaarung durchgewunken. Standards entstehen früh. Das wiederum erhöht den evolutionären Druck auf zukünftige Partner. Plötzlich genügt es nicht mehr, einfach nur irgendwo Haare am Kinn zu besitzen. Der Bart muss gepflegt sein. Konturen müssen stimmen. Man braucht Geduld. Am Ende könnte ausgerechnet die weibliche Partnerwahl dafür sorgen, dass die Vollbartqualität über Generationen hinweg steigt. Darwin hätte vermutlich ein eigenes Kapitel darüber geschrieben, wenn ihm rechtzeitig jemand Bartöl gezeigt hätte.

Die Menschheit würde also nicht verdummen

Damit fällt die große Sorge des Films langsam in sich zusammen. Natürlich kann eine Gesellschaft schlechtere Bildungssysteme entwickeln, den Wert von Wissen unterschätzen oder öffentliche Diskussionen auf erschreckend einfache Parolen reduzieren. Ein Bart verhindert all das nicht. Aber unsere Theorie verlangt auch keine Wunder. Sie behauptet lediglich, dass Idiocracy einen stabilisierenden Faktor übersehen hat: attraktive, vernünftige Männer mit Vollbart, die sich erfolgreich fortpflanzen und dabei ihren Kindern sowohl halbwegs funktionierendes Denken als auch eine gesunde Skepsis gegenüber unnötiger Rasur mitgeben.

Bildung und Bart würden sich gegenseitig verstärken

In der zweiten Generation könnte daraus sogar ein positiver Kreislauf entstehen. Der Vater erklärt seinem Sohn, warum man Quellen prüfen sollte, wie man vernünftig mit Geld umgeht und weshalb nicht alles stimmt, was irgendein Mensch im Internet behauptet. Anschließend zeigt er ihm, wie man einen Bart richtig ausbürstet. Der Sohn lernt also gleichzeitig Medienkompetenz und Bartpflege. Beides könnte in der Zukunft erstaunlich wichtig werden. Später gibt dieser Sohn dasselbe Wissen weiter. Nach einigen Generationen hätten wir möglicherweise eine Gesellschaft, in der kritisches Denken, gepflegte Gesichtshaare und hochwertige Bartbürsten zum kulturellen Grundbestand gehören.

Die Zukunft sähe ganz anders aus als im Film

Vergessen wir also für einen Moment die schreienden Fernsehshows und die intellektuelle Verwahrlosung von Idiocracy. Unsere Zukunft könnte vollkommen anders aussehen. Universitäten voller Professoren mit imposanten Bärten. Ingenieure, deren Vollbärte beim Nachdenken leicht über technische Zeichnungen streichen. Ärzte mit hervorragend gepflegten Exemplaren, sofern die jeweiligen Hygieneanforderungen das zulassen. Politiker, bei denen man zumindest anhand des Bartes erkennen könnte, dass irgendeine Form langfristiger Planung stattgefunden hat. Selbst das Parlament hätte plötzlich eine deutlich würdevollere Optik.

Die Evolution würde irgendwann ästhetisch werden

Und dann beginnt die wirklich faszinierende Phase. Wenn über viele Generationen hinweg Männer mit besonders überzeugender Kombination aus Verstand, Charakter und Vollbart bei der Partnerwahl gut abschneiden, könnte sich unsere Spezies zumindest kulturell immer weiter in Richtung eines neuen Ideals bewegen. Nicht mehr der glatte, austauschbare Durchschnittsmann wäre das Zielbild, sondern ein Mensch mit markantem Gesicht und einer Gesichtsbehaarung, die bereits aus zehn Metern Entfernung Respekt verlangt. Die Menschheit würde sich damit nicht, wie in Idiocracy, langsam in eine Ansammlung geistig überforderter Konsumenten verwandeln. Sie würde optisch immer beeindruckender.

Städte voller prächtiger Männer

Man stelle sich eine solche Zukunft ruhig einmal vor. Man geht im Jahr 2500 durch eine Großstadt und überall begegnen einem Männer mit hervorragend gepflegten Vollbärten. Kurze Bärte gelten vielleicht noch als jugendliche Übergangsphase, Glattrasur wird in Museen anhand historischer Fotos erklärt. Auf öffentlichen Plätzen stehen keine langweiligen Denkmäler mehr, sondern bronzene Persönlichkeiten mit derart detailliert ausgearbeiteten Bärten, dass Restauratoren eigene Kämme mitführen. In Schulen lernen Kinder neben Lesen und Rechnen die Geschichte großer Bartformen. Die Menschheit hätte nicht nur überlebt. Sie hätte endlich verstanden, worauf es ankommt.

Der Vollbart wäre kulturelles Erbe

Spätestens dann müsste man wahrscheinlich damit beginnen, besonders bedeutende Barttraditionen unter Schutz zu stellen. UNESCO-Weltkulturerbe wäre nur konsequent. Familien könnten ihre Bartformen über Generationen dokumentieren, ähnlich wie heute Stammbäume. „Der hier war Dein Ururgroßvater. Schau Dir die Breite an.“ Familienalben bekämen eine völlig neue Bedeutung. Kinder würden nicht mehr fragen, wem sie ähnlich sehen, sondern ab welchem Alter beim Großvater die Seiten richtig dicht wurden. Das schafft Zusammenhalt.

Natürlich bleibt unsere Theorie vollkommen unseriös

Bevor jetzt jemand beginnt, aus diesem Artikel eine populationsbiologische Dissertation zu bauen: Nein, Intelligenz funktioniert nicht so einfach, Fortpflanzungsverhalten ist kompliziert und ein Vollbart verändert nicht plötzlich die genetische Zukunft der Menschheit. Idiocracy ist eine Satire und unsere bärtige Gegenhypothese ist es ebenfalls. Menschen sind keine Zuchtprogramme, gesellschaftliche Entwicklung lässt sich nicht mit einer einzigen Eigenschaft erklären und aus der Tatsache, dass jemand einen beeindruckenden Bart trägt, kann man weder Bildungsabschluss noch IQ ableiten.

Das wäre außerdem gar nicht nötig.

Denn optisch gewinnen wir trotzdem

Selbst wenn unsere große evolutionäre Theorie am Ende wissenschaftlich vollständig zusammenbricht, bleibt nämlich ein entscheidender Vorteil bestehen. Angenommen, die Menschheit entwickelt sich tatsächlich nicht intelligenter. Angenommen, wir machen weiterhin erstaunlich dumme Dinge, streiten über Unsinn und vergessen regelmäßig, aus der Geschichte zu lernen. Dann können wir wenigstens dafür sorgen, dass wir dabei gut aussehen. Auch eine Fehlentscheidung wirkt mit einem prachtvollen Vollbart zumindest einen Hauch würdevoller.

Vielleicht war das die ganze Zeit der fehlende Faktor

Idiocracy zeigt eine Zukunft, in der der Mensch kulturell und intellektuell verkommt. Der Film fragt allerdings nie ernsthaft, wie das alles ausgegangen wäre, wenn die vernünftigen Männer einfach rechtzeitig aufgehört hätten, sich täglich zu rasieren. Vielleicht hätte allein das bereits gereicht, um ihre Chancen bei der Partnerwahl zu verbessern, Familien zu gründen und eine neue Generation hervorzubringen, die gelernt hätte, dass Wissen wichtig ist und ein ordentlich gepflegter Bart keineswegs im Widerspruch dazu steht.

Vielleicht wäre Präsident Camacho dann niemals Präsident geworden.

Vielleicht hätte jemand den Pflanzen weiterhin Wasser gegeben.

Und vielleicht bestünde die Menschheit im Jahr 2500 tatsächlich aus klugen, ausgesprochen attraktiven Männern mit gigantischen Vollbärten.

Man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

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