Der Vollbart im Berufsalltag

Auch wenn es immer noch Gruppen von Menschen gibt, die in abgeschiedenen Bergtälern, in den grünen Tiefen des Urwalds, einer einsamen Insel, oder im Keller aufgewachsen sind, die der Meinung sind, dass der Vollbart nur bei Holzfällern und Motorradgangs getragen wird, ist er heute in allen Bereichen des Lebens vertreten. Es gibt tatsächlich nur einen einzigen guten Grund, keinen Vollbart zu tragen. Muss man beruflich einen Atemschutz tragen, dann ist der Vollbart ein No-Go. Die Atemschutzmasken müssen auf der Haut aufliegen, damit sie dicht abschließen. Aber auch in dem Fall kann man sich einen Moustache, einen Henry Quatre, oder einen andern Bart stehen lassen, bei dem Wangen und Kinn frei genug bleiben, Der Rechtsanwalt trägt heute genauso Vollbart, wie der Minister, oder der Automechaniker. Inwiefern der Vollbart aber Auswirkungen auf den Berufsalltag hat und welchen Risiken er ausgesetzt ist, möchte ich mir heute genauer ansehen.

Berufsrisiko

Barthaar hat wunderbare Eigenschaften. Stehen die Barthaare dicht an dicht, dann schützen sie die darunter liegende Haut perfekt vor Umwelteinflüssen. Wo der Hochofen also die frischrasierte Haut versengt, da spürt der Vollbart tragende Kollege noch nicht einmal, dass es warm ist. Allerdings bleiben solche Einsätze auch für den Vollbart nicht folgenlos. Steigt Dir also der Geruch von verbranntem Haar in die Nase, dann solltest Du lieber einen Schritt zurück treten. Grundsätzlich hält das Barthaar große Hitze aus. Wird es aber über einen längeren Zeitraum hohen Temperaturen ausgesetzt, dann nimmt es permanenten Schaden. Genauso sieht es mit Kälte aus. Hier ist aber die Kälte selbst nicht das Problem.

Eiswürfel

Das Problem besteht darin, dass Wasser im Bart kondensiert. Das Prinzip ist recht einfach und man kennt es auch von den Fenstern. Im Winter bilden sich Wassertropfen an den kalten Fensterscheiben. Die Ursache dafür ist, dass kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann, als warme Luft. Kühlt man feuchte und warme Luft also ab, dann bildet sich Wasser. Aus unsere Lunge strömt 37 Grad warme und sehr feuchte Luft. Die Luft kann bei 37 Grad etwa 40 Gramm Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Bei -10 Grad sind es nur noch 2 Gramm. Zwar atmet ein Erwachsener pro Atemzug nur etwa 0,5 Liter, aber bei Bedarf kann das auf etwa 3,5 Liter erhöht werden. Insgesamt ergibt das etwa 10 Kubikmeter Luft, die wir pro Tag veratmen. Arbeiten wir 8 Stunden und bedenkt man, dass man etwa weitere 8 Stunden schläft, dann kann man davon ausgehen, dass man 2 bis 3 Kubikmeter Luft während der Arbeitszeit atmet. Das sind dann 120 Gramm Wasser.

Kalter Vollbart

Das Wasser kondensiert im Bart und hast zwei Effekte. Der erste ist, dass in diesem Fall die wärmende Wirkung des Vollbarts wegfällt. Wo normalerweise Luftpolster isolieren, friert ein Eisblock und liegt im schlimmsten Fall auf der Gesichtshaut auf. Das zweite Problem ist aber der Schaden an den Barthaaren. Große Kälte über längere Zeit, zusammen mit Eisbildung führt zu Haarbruch. Ein großes Problem, das man auf jeden Fall vermeiden sollte, will man auch zukünftig auf seinen Vollbart stolz sein. Ist man tagsüber also großer Hitze, oder großer Hitze ausgesetzt, dann muss man vorsorgen. Einerseits braucht der Bart eine gute Versorgung mit Feuchtigkeit. Dazu kommt eine ordentliche Portion Beardbalm zum Einsatz. Die Dose Beardpalm sollte dann immer zur Hand sein und mehrmals am Tag zum Einsatz kommen. Andererseits muss man den Vollbart zwischendurch immer wieder auf Zimmertemperatur bringen. Also Pausen zum Abkühlen und zum Aufwärmen und Trocknen.

Geruchsspeicher

Eine Eigenschaft der Barthaare ist die Aufnahme von Düften. Eine wunderbare Eigenschaft, wie ich meine. Bartpflegeprodukte bauen darauf auf und sorgen dafür, dass angenehme Düfte tagsüber wohldosiert an die verwöhnte Nase abgegeben werden. Die Lage des Vollbarts, insbesondere des Moustache ist dafür auch ideal. Das Barthaar wächst mehr, oder weniger üppig direkt unter der Nase. Allerdings erwachsen daraus auch Nachteile. Nicht in jedem Beruf hat man nur mit Rosenduft und wohlriechenden Substanzen zu tun. Steht man als Landwirt den halben Tag hinter Kühen, reinigt man Tatorte, arbeitet mit scharf riechenden Chemikalien, oder durchquert man beim Umzug Berlin und steckt seine Nase im Zuge dessen in alles, was der Kunde daheim so lagert, dann geht diese olfaktorische Belastung auch nicht spurlos am Bart vorbei. Quasi alles, was einem unter die Nase kommt, begleitet den Bartträger für eine Weile.

Afterwork Bartpflege

Die Arbeit in Hitze und Kälte, im Chlorwasser, oder überall dort, wo es stinkt, hat also Auswirkungen auf den Bart. Er leidet unter Belastungen und nimmt alles, was man erlebt, zumindest geruchlich mit nach Hause. Aber auch Tätigkeiten, bei denen einem der Dreck um die Ohren fliegt, gehen nicht spurlos am Prachtstück vorbei. Was auf der glatten Haut von Frauen und Kindern abperlt, oder keinen Halt findet, bleibt im Bart für längere Zeit präsent. Sägespäne, Humus, Lacke und Motoröl sammeln sich also auch im Bart. Besonderen Herausforderungen muss man auch mit besonderen Mitteln begegnen. Beardpalm als Impregnierung ist ein Teil der Lösung. Außerdem braucht der Bart reichlich Bartshampoo. Lässt sich die Verschmutzung nicht mit den milden Bartshampoos entfernen, dann muss man auch zu kräftigeren Reinigungsmitteln greifen. Dabei muss man aber darauf achten, das Barthaar so kurz wie möglich den agressiven Substanzen auszusetzen. Ein mehrfaches Nachspülen mit sanften Reinigungsmittel und intensive Pflege mit Bartöl helfen dem Barthaar, wieder seinen seidigen Glanz zu entwickeln und sorgen in der Freizeit für spontane standing ovations.

Weiche Bedingungen

Aber nicht jeder von uns arbeitet. Nein, diesen Satz lassen wir so nicht stehen. Nicht jeder von uns arbeitet in einem Milieu, das dem Vollbart potentiell schadet. Im klimatisierten Büro starren vielen von uns den ganzen Tag auf Bildschirme. Wer aber glaubt, dass der Vollbart unter diesen Umständen geschont wird, der täuscht sich. Es gibt tatsächlich Individuen, die es zustande bringen mit wenigen kurzen Sätzen in einem E-Mail Falschinformationen und Dummheit mit Forderungen und Anschuldigungen zu kombinieren. Andere E-Mails und auch Telefonate führen das Versagen Dritter vor Augen, oder zeigen Fehler auf, die man selbst gemacht hat. Das Ergebnis ist ein deutlich erhöhter Blutdruck und ein beschleunigter Puls. Ein roter Kopf ist zwar ein Zeichen für eine gut durchblutete Gesichtshaut und damit nicht unbedingt ein Nachteil für die Haarwurzeln. Auf der anderen Seite schadet der Stress dem Mann und dem Bart.

Stressbart

Wer abends schlapp aufs Sofa kippt muss nicht unbedingt lediglich erschöpft sein. Wenn auch die neueste Verpackung der Mitbewohnerin, oder das Weglassen derselben, ihn nicht wieder aufrichtet, dann kann das stressbedingt sein. Das Testosteron, das Hormon, das neben ein paar unwichtigen anderen Funktionen in erster Linie für den Bartwuchs sorgt, mag Stress überhaupt nicht. Kombiniert mat Stress mit Übergewicht, dann kann das ernsthafte Auswirkungen auf den Vollbart und die körperlichen Reaktionen auf optische Reize haben. Aber nicht nur indirekt über den Testosteronspiegel leidet der Bart. Auch der stressige Alltag kann das eine, oder andere Barthaar kosten. Der Grund ist der Missbrauch des Bartes. Der Bart ist kein Stressball. Das muss man sich verinnerlichen. Also bitte in Stresssituationen nicht in den Bart fassen. Auch beim intensiven Nachdenken sollte man die Finger woanders platzieren als im Bart.

Barthaar am Arbeitsplatz

Ganz ohne sich durch den Bart zu streifen kommt man nicht durch. Auch wenn Gesundheitsminister samt Beraterstab coronabedingt davon abraten, sich ins Gesicht zu fassen, ist es einfach zu schön, beherzt ins Barthaar zu fassen. Die Folge sind aber, dass sich lockeres Barthaar löst. Das ist kein Grund zur Sorge, solange der Bart nicht büschelweise in die Eingabegeräte fällt. Aber auch einzelne Barthaare sammeln sich mit der Zeit in der Tastatur. Das lässt sich auch mit sehr kompetenten Reinigungskräften nicht verhindern. Es hilft nur, die Tastatur regelmäßig umzudrehen und sanft auf den Tisch aufzuschlagen. Tut man das zu selten, dann braucht man einen starken Magen. Ich kann also nur empfehlen zumindest wöchentlich die Haare und alles, was einem sonst im Laufe eines Arbeitstages aus dem Gesicht fällt, aus der Tastatur zu holen. Spätestens, wenn es beim Tippen leise raschelt, oder knistert, ist es an der Zeit.

Bärtiger Dresscode

Der Vollbart ist in allen hierarchischen Ebenen vertreten und gern gesehen. Er lässt sich auch mit jedem Dresscode kombinieren. Trägt man Krawatte, dann hat man als Bartträger den Vorteil, dass man nicht unbedingt den doppelten Winsor lernen muss. Der Knoten und der obereste Knopf am Hemd bleibt vom Vollbart verdeckt. Ein großer Vorteil. Auch wenn man verplichtet ist, ein Haarnetz zu tragen, ist das kein Hindernisgrund. Es gibt auch Bartnetze, die zumindest genauso sexy aussehen, wie das weiße Häubchen, das man dazu trägt. Generell muss man in Verbindung mit dem Bart immer vorsichtig sein, wenn es darum geht einen Reißverschluss zu schließen. Ansonsten kann man den Bart mit jeder Berufskleidung kombinieren und wird in jedem Outfit mit Sicherheit besser aussehen, als die Bartlosen Kolleginnen und Kollegen!

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