Durst, Bart und Schmerz

Während der Gentleman mit Stil für die Flüssigkeitszufuhr den Umweg über den mundgeblasenen Kelch wählt lässt der praktisch veranlagte Zeitgenosse die Flüssigkeit in der Verkaufsverpackung und konsumiert direkt. Je nach Darreichungsform birgt die Getränkeverpackung aber Tücken und der hastige Durstlöscher löscht zwar den Durst, dafür brennt es bein Trinken woanders.

Durst da, Flasche her

Es kann nicht immer Murano Glas zur Hand sein, wenn der männliche Durst die bärtige Kehle austrocknen lässt. Pfiffige Getränkehersteller verkaufen Ihre Güter daher in Größen, die der üblichen Konsumationsmenge eines ausgetrockneten Mannes entspricht. 0,3, oder 0,5 Liter werden da in bunten Gebinden präsentiert und laden zum flüssigen Genuß. Teilweise mit speziellen Trinköffnungen versehen und oft wiederverschließbar, falls der Durst noch in den Kinderschuhen steckt und der kleine Mann die 0,3 nicht am Stück schafft.

Stillos, oder voller Lebensstil?

Gut, die Flasche Schnaps direkt zum Mund zu führen ist auch heute noch nicht dazu geeignet von der eigenen Person nachhaltig positiv zu überzeugen. Auch beim Wein, egal ob für zwei Euro fuffzig der Liter, oder die Flasche fürs Jahresgehalt, hier sollte nicht am Becher gespart werden. Jeder weiß, dass Wein atmen muss und auch nicht angebaut wurde um Durst zu stillen, sondern um der Welt zu zeigen, dass man weiß, was guter Geschmack ist und gerne das letzte Hemd gibt für 0,125 Liter Genuss. Also ist hier der Einsatz feinster Gläser angezeigt. Man wählt das Glas zum Wein, je nach Farbe und Schwere und schwenkt den Wein ganz unbewußt um die Aromen bei der Entfaltung zu unterstützen. Ein Schluck aus der Pulle sollte nur daheim im Feinripp und Bademantel im fahlen Licht des offenen Kühlschranks passieren. Erzählen sollte man davon nicht. Man verwendet also passende Gläser zum passenden Getränk und wie beim Wein lässt der Mensch sich häufig überzeugen, dass der Geschmack durch das Umfüllen gewinnt und der Genuss sich vervielfacht. Ein Muss also, bei manch einem Getränk und man zelebriert das gepflegte Nippen sogar zu Hause und dort sogar allein. Die Weingläser-Marketing-Agentur hat Alles richtig gemacht!

Und dann kam das Plopp

Jetzt investiert die Weinindustrie viel Kohle in den Imageaufbau und lässt uns von sympatischen Werbeträgern ausrichten, dass Wein und Stil Hand in Hand gehen und ein gepflegtes Glas Wein weniger zum Saufgelage, als zur Weinbegleitung taugt.

Die Bierindustrie investiert ähnlich viel, allerdings nicht in den Imageaufbau, sondern die Logistik, damit immer für Nachschub gesorgt wird und uns das Bier zum Trinken nicht ausgeht. Auch hier wird das Image Saufgelage marketingtechnisch nicht unterstützt, der Genuß wird aber auf vergleichbarem Niveau, wie die Durstlöschung gehandelt und ein Bierchen in Ehren hat einen erdigeren und bodenständigeren Ruf als das gepflegte Gläschen Wein. Insofern verständlich und sozial auch ausserhalb der Bauarbeiterszene akzeptiert ist der Griff zu Flasche, die beherzt zum Mund geführt, zur männlichen Durstlöschung schon allein aufgrund der Menge mehr beiträgt, als andere Getränke. Die schwelende Eruktation, die uns nach dem Absetzen der Pulle auf den Lippen liegt hat allerdings noch nicht in allen gesellschaftlichen Kreisen uneingeschränkt Einzug gehalten.

Wein, Bier, oder Zuckerwasser

Neben dem Bier und dem Wein steht der männlichen Menschheit natürlich noch eine stattliche Auswahl an Getränken zur Verfügung und so trinken wir oft und gerne auch mal etwas anderes. Neben den Klassikern, wie Wasser und Fruchtsäften und natürlich all den wunderbaren Heißgetränken, die so schön brennen im Nabel, etablieren sich koffein-, taurin- und gummibärchenhaltige Getränke, die versprechen müde Männer wieder munter zu machen und ob der Inhaltsstoffe auch tote Pferde samt scheintotem Jockey zu Derbysiegern machen könnten.

Wer in der Energiebilanz phasenweise so tief liegt, wie das tote Pferd, der greift gern zum Energydrink und putscht sich damit wieder auf die Beine. Soweit natürlich schwer ok. Wer meint es hilft, soll sich die Energie konzentriert verabreichen. Problematisch ist nur die Kombination des prächtigen Bartes mit der hipp trendigen Darreichungsform in der Dose. Während das Alu heute oft schon durch PET ersetzt wurde ist es üblich die Energydrinks in Dosen zu verkaufen. Die hippe Brause in der hippen Dose.

trinken tut weh

Jetzt hat so eine Dose allerdings eine bartfeindliche Installation. Durch den, seit einigen Jahrzehnten üblichen Öffnungsmechanismus, der ganz umweltfreundlich das Blech nach innen drückt und nicht von der Dose löst, verbleibt an einer sehr ungünstigen Position eine heimtückisch federnde Lasche.

Jetzt predige ich hier ja oft und gern über die Vorzüge des Schnauzers. Optisch stehe ich voll und ganz dazu, aber wer schon mal die Erfahrung gemacht hat, dass die Dose, dank eingebauter Bartfalle, wie zwischen Nase und Oberlippe lauert und gnadenlos zuschnappt, sich im Bart verhängt, der kann ein Lied davon Jaulen wie Aua das wirklich ist. Man kann das Beste daraus machen und entweder seine Kumpels damit beeindrucken, dass man jetzt freihändig trinkt, oder die Hände für andere wichtige Tätigkeiten einsetzt, spätestens am nächsten Morgen sollte man sich aber der Dose entledigen. Wenn es Morgens zur Bartpflege geht und der rote Bulle noch von der Oberlippe baumelt, dann stört er dort und muss endgültig raus. Auch beim Austausch von Zärtlichkeiten stört die Dose vor der Schnauze.

Es bleibt also spätestens jetzt die Entfernung der Dose und das geht nicht meist nicht ohne Tränen von statten. Der durchschnittliche Bartträger wird den eingeklemmten Bart meist reflexartig sofort befreien und rasch wird aus dem coolen Bartträger, der lässig am Energydrink nippt ein trauriger, weil tränenüberstömt jammernder Anblick. Um das zu vermeiden gibt es drei Strategien.

Reisebecher

Immer dabei und platzsparend kann man sich einen Reisebecher zulegen, in den man die Energiesuppe umfüllt, bevor man sie auslöffelt. Nachteil ist, dass die Menschheit nicht mehr sieht, welch cooles Zeug man da schlürft.

Strohhalme

Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen und dabei eher aus dem Kinderfernsehen. So ein Strohhalm lässt die Dose in der Hand macht aber auf den letzten Metern unangenehme Geräusche, auch wenn man damit exzellent trinken kann.

Trinkaufsatz

Wer Stil und Oberlippenbart hat und nicht auf Dosengetränke verzichen möchte, der braucht diesen Sicherheitsaufsatz. Am besten gleich mehrere Packungen bestellen und weinenden Bartträgern schenken!

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