Unter dem Attribut metrosexuell ist es heute relativ normal, dass der moderne Mann sich von den Idealen aus grauer Vorzeit abhebt. Wo einst eine sonnengegerbte Gesichtshaut und eine, von harter körperlicher Arbeit geschundene und mit Schwielen übersäte Handinnenfläche beim festen Händedruck Eindruck gemacht hat, da sind heute eine gepflegte Gesichtsbehaarung und samtweiche Hände der Standard. Nicht nur für den Vollbart finden sich im männlichen Spiegelschrank im Badezimmer, zahlreiche Pflegeprodukte. Die Kosmetikindustrie hat den Trend erkannt und verkauft sehr erfolgreich Pflegeprodukte für Männer. Das ergibt auch Sinn, denn wir Männer haben nicht nur eine 20 Prozent dickere Haut, sondern produzieren auch mehr Talg, als die Damen. Speziell, wenn man älter wird, werden die Unterschiede ausgeprägter. Also sollte man sich nicht unbedingt die Gesichtspflege der alternden Mitbewohnerin einsetzen, sondern gezielt den Bedürfnissen der Männerhaut Rechnung tragen, indem man die passenden Cremes shoppt. Für den Bart habe ich dazu eine Expertise und kann auf die unzähligen Beiträge auf meinem Blog verweisen, in denen ich die Bartpflege thematisiere. Heute soll es aber nicht um die Körperpflege gehen, sondern um den Körperschmuck. Konkret will ich mich einmal dem Thema Ohrringe widmen. Ein unterschätztes Accessoire für Männer, das allerdings ein großes Potenzial hat.
Die ersten Schmuckschatullen
Die Ohren mit Schmuckstücken zu verzieren ist eine Idee, die wenig älter ist, als die Menschheit. Der älteste bekannte Ohrring stammt aus der Jungsteinzeit. Das 8.500 Jahre alte Schmuckstück wurde in Çatalhöyük in der Türkei ausgegraben. Die frühen Menschen waren gerade im Wandel und änderten ihre Lebensweise. Statt ständig durch den Wald zu streifen, erkannten sie die Vorteile eines festen Wohnsitzes und widmeten sich neben dem Ackerbau und der Architektur auch den schönen Dingen des Lebens. Sie begannen Kunstwerke zu schaffen und Schmuck zu tragen. Die Sesshaftigkeit in ersten Lehmhütten eröffneten neue Möglichkeiten. Wer eine Hütte hat, der hat auch Platz für Schmuck und Pflegeprodukte. Es ist also anzunehmen, dass die Körperpflege damals ihren Ursprung hatte und die Damen erstmals begannen, sich einige Schuhe für die verschiedenen Anlässe anzuschaffen. Wer möchte schon einen Hirschlederschuh mit einer Sohle aus Bärenleder zum eleganten Lendenschurz aus Schaffell tragen? In der Antike und der Frühgeschichte war der Ring im männlichen Ohr dann schon ein Symbol von Reichtum und hohem Status. In Ägypten, Persien, Griechenland und Rom trug die männliche Elite daher gerne mal hübschen Ohrschmuck.
Ohrringe im Wandel
Bis heute spielen Ohrringen in vielen Kulturen eine entscheidende Rolle und sind fest in kulturelle und spirituelle Rituale eingebunden. In Europa waren sie im Mittelalter und der Renaissance in zwei Gruppen von Männern vertreten. Einerseits die Seefahrer und Piraten, die den Ohrschmuck als Glücksbringer trugen, ihn aber auch als Versicherung verwendeten. Der wertvolle Ohrring war nämlich auch dazu gedacht, das Begräbnis zu finanzieren. Die zweite Gruppe waren die Herren der höheren Gesellschafter. Im 16. Jahrhundert waren männliche Ohren am Hof von Elisabeth I häufig mit Ohrringen versehen. Männliche Körperteile zu durchlöchern, scheint bei den Britischen Monarchen zum guten Ton zu gehören. Wobei der Ohrring aus meiner Sicht, dem Piercing, das Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der Ehemann von Königin Victoria, sich im 19. Jahrhundert angeblich stechen ließ, vorzuziehen ist. Nachdem viele Männer das so sehen, ist das Prinz Alberts Piercing weit weniger verbreitet als der Männerohrring. Der musste im Laufe der Geschichte dann aber der bürgerlichen Moral und den konservativen Wertvorstellungen weichen. Kirche und Militär schufen im 17. bis 19. Jahrhundert ein Männerbild ohne Ohrring.
Vollbart und Ohrring
Dieser Entwicklung fiel dann am Beginn des 20. Jahrhunderts auch der Vollbart zum Opfer. Dank Hr. Gillette und seiner Erfindung, war Rasieren einfacher und die fehlgeleitete Gesellschaft erhob das glattrasierte Männergesicht zum Schönheitsideal. Zum nackten schmucklosen männliche Ohr gesellte sich also auch das rasierte und von Rasierbrand stark belastete männliche Gesicht. Aber weil die Menschheit auch nicht dumm ist und man schließlich erkannte, dass es auf Dauer recht schade um das gewaltige optische Potenzial ist, das man mit einer Rasur verspielt, setze bald eine Gegenbewegung ein, die auch den Männerohrring wieder auf den Plan rief. In den 1950ern, 60ern und 1970ern war er ein Symbol des Protests und in den 80er und 1990er Jahren trug er zur Entwicklung der Queer-Community bei. Gleichzeitig begannen aber immer mehr Musiker und Schauspieler, einen Ohrring zu tragen. Also wurde er wieder entpolitisiert und ein Teil der Mode. Heute haben wir das Glück, dass sowohl der Vollbart, als auch der Ohrring in allen Altersgruppen und Milieus akzeptiert sind!
Vielfalt am Ohr
Wer sich einmal mit Bartformen beschäftigt, der weiß, dass sie so zahlreich sind, wie die Fantasie der Männer. Allerdings lassen sich die meisten in eine Handvoll Kategorien einteilen. Genauso ist es bei den Ohrringen. Klar kann man auch einen Traumfänger am Ohr tragen, im Wesentlichen gibt es aber auch bei den Ohrringen ein paar Grundformen. Das schließt natürlich auch die Männerohrringe ein. Wenn Du Dich für einen Ohrring interessierst, dann kann ich Dir Treuheld ans Herz legen. Dort findest Du eine breite Auswahl an verschiedenen Männerohrringen. Hier klicken für alle Informationen
Ohrstecker
Der Ohrstecker erinnert ein wenig an eine Stecknadel. Eine Nadel, die man durch das Ohrloch schiebt und auf der Rückseite sichert und ein Kopf, den man dann von außen sieht. Die Ohrstecker sind klein und dezent und es gibt sie aus verschiedenen Materialien, wie Edelstahl, Gold, Silber, oder Titan. Auf der sichtbaren Seite wird er gern mit einem Stein, oder einer Metallkugel versehen.
Creolen
Die Creolen sind die Namensgeber der Ohrringe. Kleine, bis recht große Ringe, die durch das Loch im Ohr gesteckt werden. Oft werden Piraten mit diesen Ringen dargestellt. Es gibt sie in unterschiedlichen Dicken und aus verschiedensten Materialien.
Magnet-Ohrringe
Ideal für den Einsteiger, oder Männer mit ausgeprägtem Schmerzempfinden. Auch wenn man im Berufsalltag keinen Ohrring tragen und auch kein Ohrloch präsentieren will, sind Magnet-Ohrringe die beste Wahl. Sie werden mit zwei Magneten am Ohr fixiert. Das bedeutet, dass man kein Ohrloch stechen lassen muss und trotzdem nicht auf den Ohrring verzichten muss.
Tunnel & Plugs
Wem ein Loch im Ohr nicht reicht, der greift zu Tunnel, oder Plug. Auch die Tunnels und Plugs gibt es aus unterschiedlichen Materialien. Insgesamt sind sie aber eine Entscheidung, mit der man ein paar Jahre leben muss. Schließlich muss man im Ohrläppchen Platz für den massiven Ring schaffen, das Ohrloch also immer weiter ausdehnen. Entscheidet man sich später dagegen, muss man dem Körper erst einmal viel Zeit geben, das Ohrläppchen wieder auf die Ursprungsgröße zurückzuentwickeln. Wer sich also nicht sicher ist, für lange Zeit mit einem sehr großen Loch im Ohrläppchen leben zu wollen, dem ist zu raten, sich andere Arten von Ohrringen anzuschaffen, oder auf die Fake-Varianten von Tunnel und Plug zurückzugreifen. Dafür braucht man nur normale Ohrlöcher, die Ohrringe sind aber so gestaltet, dass sie genauso aussehen, als würde man einen echten Tunnel tragen.
Piercings
Streng genommen ist ja jeder Ohrring so etwas, wie ein Piercing. Einige Varianten ähneln dem, was man unter Piercing versteht, aber mehr. Sie werden durch zwei Löcher im Ohr geführt und liegen damit am oberen Rand der Ohrmuschel, oder in der Mitte.
Ohrklemmen und Ear Cuffs
Auch diese Variante ist für Männer geeignet, die keine Lust auf mehr, als die notwendige Anzahl an Löchern im Ohr hat. Die Ohrklemmen werden einfach an den Rand der Ohrmuschel geklemmt. Die Bezeichnung Ear Cuffs erinnert an die englische Bezeichnung von Handschellen. Tatsächlich werden die Ear Cuffs genauso um die Ohrmuschel gelegt, wie die Handschellen um die Handgelenke.
Der perfekte Ohrring zum Bart
Die Anzahl der Bartstile ist irgendwo zwischen riesig und unendlich. Kombiniert man das mit den Kleidungsstilen, den Frisuren und den Gesichtsformen, die uns Männer auszeichnen können, dann wird schnell klar, dass man die Frage nach dem perfekten Ohrring zum Bart nicht einfach beantworten kann. Wer seinen Bart breit und locker trägt, zu dem passt wahrscheinlich eine kleine Creole gut. Wer seinen Bart gewissenhaft trimmt, saubere Konturen schätzt und nichts dem Zufall überlässt, der ist mit einem dezenten Ohrstecker besser beraten. Wichtig ist, bei den Ohrringen auf Qualität zu achten und bei vertrauensvollen Händlern einzukaufen. Die Auswahl ist groß und dank Ear Cuffs und Magnet-Ohrringen muss man nicht gleich zur glühenden Nadel greifen, um einen neuen Look auszuprobieren. Übrigens ist die glühende Nadel insgesamt keine gute Idee. Auch wenn man davon überzeugt ist, einen Ohrring tragen zu wollen, sollte man nicht jeden an sein Ohr lassen. Schließlich wird ein Körperteil durchbohrt. Dabei ist die oberste Regel Hygiene. Damit bleiben schon einmal nur zwei Möglichkeiten. Man kann sich an den Arzt, oder ein gutes Piercing-Studio wenden. Dabei darf man im Piercing Studio mehr Expertise erwarten. Hier wird man zu Pflege, Position und vielleicht sogar zur Wahl der richtigen Form des Ohrrings beraten. Allgemein kann man sagen, dass der Stich mit einer Pistole kein Qualitätsmerkmal ist. Trägt die Mitarbeiterin, oder der Mitarbeiter im Piercing Studio Handschuhe, sind alle verwendeten Werkzeuge steril verpackt und bekommt man eine ordentliche Beratung, dann kann man sich ruhig zurücklehnen.
Individueller Style
Im Grunde ist es mit den Ohren genauso wie mit dem Bart. Eigentlich sollte es in allen Lebensbereichen so sein. Gegen alles, was für Dich in Ordnung ist und zu Dir passt, kann es keine Einwände geben. Trag Deinen Bart, wie Du es für richtig hältst, trage Ohrringe und sonstigen Körperschmuck und kleide Dich so, wie es Dir gefällt. Lass Dich von niemanden davon abhalten Deinen Weg zu gehen. Vielleicht ist es keine gute Idee, sich in einem Job, in dem Ohrringe nicht gern gesehen werden, eine Tunnel machen zu lassen. Vielleicht ist es aber nicht der richtige Job für Dich, wenn Du Tunnels tragen willst. Geh Deinen Weg, sei zufrieden und lass Dich von niemanden davon abbringen!