Neidisch war gestern – Heute ist Vollbart

Man sagt es den Frauen nach, dass sie sich vergleichen. Tatsächlich, wenn man Gelegenheit hat mit einer Frau durch eine gut besuchte Fußgängerzone zu schlendern und den entgegenkommenden Frauen ausnahmsweise mal ins Gesicht blickt, dann wird man immer dasselbe Schema beobachten. Prüfende taxierende Blicke von Kopf bis Fuß. Frisur, Figur, Kleidung und Schuhe werden beurteilt und zu einer Gesamtwertung zusammengerechnet. Als letztes fällt der Blick auf auch kurz auf den Mann, der die Rivalin begleitet. Spätestens jetzt sollte die andere Frau neidisch sein, wenn Du alles richtig gemacht hast. Bei Männern läuft das etwas anders ab.

Vergleichende Weiblichkeit

Frauen haben in vielen Lebensbereichen das Bedürfnis sich mit anderen Frauen zu vergleichen. Bessere Figuren, schönere Haare, bravere Kinder und wesentlich saubere Wäsche haben die Frauen in der näheren Umgebung. Auch eine kurze Begegnung ist geprägt vom Vergleich. Hübscher, schlanker, besser angezogen, oder ein besseres Hautbild könnte eine andere Frau sein. Viele der besonders unangenehmen Fragen, die den Mitbewohnerinnen zu ausgesproche unpassenden Momenten gerne einfallen, zielen auf diesen Vergleich ab. Die Frau sucht Bestätigung und provoziert mit ihren Fragen eine falsche Antwort. Tja, wer kennt das nicht. Aber weil mein Blog nicht meine-mitbewohnerin.de heißt wenden wir uns doch etwas anderem zu. Der Mann und der Vollbart. Man könnte neidisch werden.

Der Bikergruß

Treffen sich zwei Motorradfahrer, dann gehört es sich einfach, anerkennend die linke Hand zu heben. Das kann an einem lauen Sommerwochenende durchaus stressig werden, aber es ist eben ein Zeichen dafür, dass man sich verbunden fühlt. Das gemeinsame Hobby, vielleicht sogar die gleiche Motorradmarke zeigen, dass man zumindest eine Sache gemeinsam hat. Das reicht oft schon für eine kurze oberflächliche Männerfreundschaft. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Vollbart. Begegnen sich zwei Männer mit Bart, dann reichen Bruchteile einer Sekunde um die Details des anderen Bartes zu erfassen. Liegt er gut und glatt, sind die Konturen ordentlich und sauber getrimmt, wie steht es um den Übergang am Hals und an den Schläfen und wie lang ist das Prachtstück. Oft ist es eindeutig, dass der Laie auf den Meister getroffen ist, häufig ist die Situation aber nicht ganz so klar. Trotzdem ist so ein Moment geprägt von Anerkennung.

Nicht neidisch werden

Es kann aber auch passieren, dass man am eigenen Bart eine Problemzone hat. Eine kahle Stelle an der Wange und der andere hat einen dichten Bart bis über beide Ohren? Selbst einen Rotstich, oder weiße Haare im Bart und das Gegenüber trägt seinen Vollbart schwarz wie Ebenholz? Die Naturwelle bringt Dich, Deinen Föhn und die Rundbürste allmorgendlich an Ihre Grenzen und beim entgegenkommenden Bartträger wirkt der Vollbart wie auch einem Guß? Man könnte neidisch werden, nach Gründen und Ursachen suchen und bedauern, dass der eigene Bart nicht an den Gesichtsschmuck der Zufallsbegegnung heranreicht. Allerdings gibt es eine wesentlich Methode damit umzugehen.

Ich und mein Vollbart

Der Trick, in so einer Situation nicht neidisch zu werden ist ganz einfach. Ob es nun der als perfekt wahrgenommene Vollbart im Gesicht eines anderen Mannes ist, oder ein sportlicherer Körperbau, oder eine andere Eigenschaft, die ihn in Deinen Augen besser macht, als Dich, ist eigentlich völlig egal. Wenn ein Sportwagen dort endet, wo bei deinem Family-Van die Außenspiegel anfangen und da wo bei Dir auf der Rückbank die Kindersitze montiert sind, beim Auto nebenan ein Triebwerk mit 300-400 Pferden schlummert, dann kann man natürlich neidisch werden. Spätestens wenn Du die nächste Waschmaschine mit der extragroßen 7kg-Trommel heimführst wird Dir die große Ladefläche mehr bringen, als die Raubkatze, oder das Pferdchen am Schlüsselanhänger. Spätestens, wenn Du nach der Arbeit heimkommst und die kleinen Kindersitzbesitzer Dir freudig entgegenkommen würdest Du wohl nicht mehr mit dem erfolgreichen Sportwagenfahrer tauschen wollen, der vielleicht ganz alleine auf der Designercouch in seinem Loft sitzt.

Zufriedenheit

Die Uhrzeit vergeht für alle gleich. Ob man sie mit dem klassischen Casio-Digitalwecker am Handgelenk misst, oder andächtig auf die Hublot MP-05 Laferrari blickst , die Du für den Freundschaftspreis von 200.000€ erworben hast, ändert unterm Strich nichts am Ergebnis. Es ist nun mal auf beiden Uhren gleich spät. Auch wenn die Hublot eine einzigartige Gangreserve von 50 Tagen hat, schlägt die Knopfzelle in der Casio sie um Längen. Da brauchts auch keinen Uhrbeweger in der Vitrine. Klar kann man neidisch sein und sich ausmalen um wieviel schöner es wäre, hätte man den Edel-Chronometer am zitternden Handgelenk. Trotzdem ist der praktische Nutzen einfach nicht gegeben. Die Casio gibts für etwas über 10 Euro. Wer es luxuriös mag, der kann noch 3 Euro drauflegen und die Mädels mit dem Edelstahlband beeindrucken.

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Trag Deinen Bart

MIt dieser Einstellung ist man im Leben einfach glücklicher. Manches, wie das Auto, oder die Uhr zum Preis eines luxuriösen Mehrfamilienhauses ist einfach nicht drin. Da hilft auch kein neidisch Sein. Trotzdem darf man natürlich nicht mit allem zufrieden sein. Das Streben nach dem Unerreichbaren mag prinzipiell als guter Antrieb funktionieren, allerdings muss man entweder dumm sein und keine Ahnung haben, dass man es nie erreichen wird, oder der Antrieb hat einen kleinen Haken. In jedem Fall bringt es keine Zufriedenheit. Genauso ist es mit dem Vollbart. Ist man neidisch auf den Bart eines anderen Bartträgers, dann bringt das niemanden weiter. Man kann sich Anregungen holen und einmal genauer hinsehen. Was ist es, was den Bart perfekt macht? Ein paar fachmännische Blicke sollten genügen um den Form, die Länge, das Verhältnis Moustache zum Rest und den generellen Bartstyle zu erfassen. Die Unterschiede zum eigenen Bart sollte man leicht erkennen. Als nächstes lässt man sich einfach den Bart genauso wachsen, wie bei der bärtigen Zufallsbekanntschaft.

Jeder Bart ist ein guter Bart

Auch wenn im eigenen Bart vermeintliche Makel stecken, dann kann man mit Sicherheit etwas daraus machen. Mit einer Frisur wie Jeff Bezos und einem Teint wie Heino wird man auch nicht neidisch dem Afro nachschauen. Körperliche Grenzen sind zu akzeptieren. Wächst unter den Mundwinkeln kein Bart, dann ist das eben so, auch wenn man neidisch ist, bis man grün wird. Sieht man es positiv und hält sich vor Augen, dass manch anderer diese Bereiche mühsam mit dem Trimmer bearbeitet um die markante Form zu erreichen, dann kann man getrost dankbar sein. Es gilt also, den eigenen Bart, wie auch immer er sich darstellt, mit Stolz zu tragen und mit dem notwendigen Ernst zu pflegen. Neidisch zu sein ist nicht nur sinnlos sondern in den meisten Fällen einfach dumm. Freu Dich für den Bartträger, der den Deiner Meinung nach perfekten Bart trägt. Sein Bart ist ein Aushängeschild und transportiert positive Gefühle zum Vollbart, wo auch immer er auftaucht. Mach das beste aus Deinem Bart und trag ihn mit Stolz. Deinen Bart!

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