Argumentationsleitfaden für Bartträger – Teil 2

Wer reich und schön ist, der darf sich nicht wundern, wenn die atemberaubende Schönheit und der unendliche Reichtum eine Reihe von Neidern auf den Plan ruft. Wer reich an Barthaaren und deswegen wunderschön ist, der ist von dieser Weisheit keine Ausnahme. Genauso wie der Paparazzi mit dem meterlangen Ofenrohr aus 600m Entfernung durch jede Falte am Decollete eines 60-jährigen Exmodels fährt, wie Luke Skywalker durch die Furchen im Todesstern, so sucht manch ein Bösewicht ein schlechtes Haar im Bart. Damit ihr dann nicht mit offenem Mund und verletztem Ego dasteht gibts heute einen kurzen Argumentatiosnleitfaden!

Disclaimer

Diese Liste kann gar nicht vollständig sein. So kreativ, wie manch Spotter, oder Kritiker bei der Findung von fadenscheinigen Unwahrheiten, oder an den Haaren herbeigezogenen Behauptungen ist, ist es wohl nicht möglich auf jeden verbalen Auswuchs hässlichen Neids einzugehen. Es bleiben also Unschärfen und Lücken, die ich vielleicht später einmal schließen werde. Für heute erst einmal eine Liste mit den häufigsten Unwahrheiten, zu denen ich vorab unbedingt festhalten möchte, dass ich sie lediglich wiedergebe, sie aber nicht meine persönliche Meinung wiederspiegeln.

Die Klassiker unter den dummen Sprüchen, die mancher Bartträger sich anhören möchte sind allgemein bekannt und vielfach gehört. Trotzdem möchte ich auch darauf eingehen und euch im Argumentationsleitfaden Argumente an die Hand geben, die das Gegenüber zum Schweigen bringen. Ich habe einen ähnlichen Artikel vor ein paar Monaten geschrieben, aber ein bisschen Auffrischung kann ja nicht schaden 😉

Du siehst aus, wie ein Terrorist

Eine der dümmsten, wenn nicht die dümmste Behauptung überhaupt. Es gibt einige Strategien, damit umzugehen. Möchte man eine Diskussion vermeiden, dann kann man nur wissend lächeln und sanft mit dem Kopf nicken, während man so tut, als prüft man den Sitz des Sprengstoffgürtels. Es kommt darauf an, wer das Gegenüber ist, aber ein „ich sehe nicht nur so aus“, kann schon mal aus der Fassung bringen. Allerdings auch aus der Verfassung, also lieber vorsichtig sein. Wer diesen Spruch oft zu hören bekommt, der sollte überlegen, ein paar Zeilen Arabisch zu lernen um stilvoll zu kontern.

Neben dem offensiven Umgang mit der Behauptung kannst Du der Aussage auch rational begegnen. Die Argumentationslinie wäre in diesem Fall, dass die Annahme, jeder Bartträger wäre ein Terrorist doch sehr gewagt ist. Die Verbreitung des Vollbarts nimmt nicht nur in unseren Breiten zu, sondern in vielen anderen Ländern und Kulturen ist das Tragen eine Vollbarts seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit. Wäre es zulässig, jeden Bartträger als Terroristen einzustufen, müsste man wohl ganze Kontinente zusperren.

Die dritte Variante dieser Behauptung zu begegnen ist der Apell an die politische Korrektheit des Gegenübers. Eine derartig oberflächliche Beurteilung eines Menschen ist nicht nur fehleranfällig, wofür Du das beste Beispiel bist, sondern auch zutiefst negativ. Es kommt einem Outing als oberflächlichen Menschen voller Vorurteile gleich. Die moralische Integrität des Gegenübers ist dringend zu hinterfragen.

Du siehst aus wie der Weihnachtsmann / Nikolaus

Genauso dumm und ähnlich zu argumentieren. Am einfachsten ist es, dem Gegenüber mit Fakten zu begegnen. In dem Fall kann man auf das Leben des Hl. Nikolaus vom Myra verweisen. Sofern die Überlieferungen stimmen, ist das Leben und Wirken von Nikolaus sehr beeindruckend und nachahmenswert. Dazu gehört auch das Tragen eines Vollbarts.

Bezüglich Weihnachtsmann kann man behutsam darüber aufklären, dass diese Figur fiktiv ist. In dem Fall darf man ruhig offene Kritik an den Eltern des Sprücheklopfers üben. Die Geschichte mit Weihnachtsmann und Christkind sollte eigentlich von den Eltern aufgeklärt werden.

Wer nicht diskutieren möchte kann auch mit „und Du siehst aus wie der Osterhase“ kontern.

Du siehst ungepflegt aus

Hier argumentieren wir sachlich und hinterfragen zuerst einmal, was genau diesen Eindruck auslöst. Hat man sich in der Bartpflege nichts vorzuwerfen, dann wird sich bei der genaueren Betrachtung rasch herausstellen, dass die Behauptung völlig haltlos ist. Gegebenenfalls kann man hier auch zum Gegenangriff übergehen und offensichtliche Styling-Versäumnisse beim Gegenüber herausstreichen.

Wie lange soll der denn noch wachsen?

So, oder so ähnlich versuchen flüchtige Bekannte ein Gespräch zu beginnen. Hier kann man durchaus wahrheitsgemäß antworten. Der Bartträger lässt seinen Bart ja nicht planlos wachsen. Es gibt ein Idealbild, das man zu erreichen versucht. Eine detaillierte Schilderung des angestrebten Endzustands ist in diesem Fall die optimale Erwiderung.

Will man seine Bartpläne nicht öffentlch machen, dann kann man mit Allgemeinwissen um den Bart kontern. 0,07mm wächst das Barthaar am Tag. Das tut es für etwa 7 Jahre, danach fällt es aus. Eine theoretisch erreichbare Länge von rund einem Meter kann man natürlich auch festhalten. Damit sollten alle Fragen geklärt sein.

Schwitzt man damit nicht?

Korrekte Entgegnung: Nein!

Wer mehr dazu loswerden möchte, der kann erklären, dass sich im Bart ein Luftpolster zwischen den Barthaaren bildet, der eine Isolation für das darunterliegende Gesicht bildet. Damit hat man nicht nur ein winziges Mikroklima im Bart, sondern auch gut isolierte Gesichtshaut unter dem Bart. Der Bart schützt also hervorragende gegen Hitze und auch gegen Kälte. Problematisch wird es nur dann, wenn der Vollbart vereist. Das ist grundsätzlich ein Problem, das zu Erfrierungen führen kann. Solange wir aber in Mitteleuropa bleiben und pessimistische Klimavorhersagen nicht mehr zu unseren Lebzeiten eintreffen, wird der Bart ein Vorteil in der Isolation sein. Bei Expeditionen nach Sibirien, oder an einen der Pole muss man Maßnahme ergreifen um eine Vereisen zu verhindern.

Das ist unhygienisch

Ja, da kann man nur darauf verweisen, dass es wissenschaftliche Studien gibt, die eindeutig belegen, dass es im Gesicht von Bartträgern weniger Krankheitserreger gibt, als in rasierten Gesichtern. Auch die Story von der entdeckten Killermikrobe, die im Bart wohnt kann man an der Stelle bringen.

Alternativ, oder begleitend kann man eine Diskussion über Hygiene führen. Man kann ja mal hinterfragen, wie das Gegenüber sein Gesicht gewaschen hat. Meist war da keine Seife im Spiel. Grundsätzlich gilt für den Bart dasselbe, wie für den Rest des Körpers. Reibt man ekelige Substanzen in den Bart und wäscht ihn nicht, dann entsteht ein bedenkliches Milieu, das auch tendenziell unangenehm riecht. Erwähnenswert ist hier speziell der Rest des Körpes, der ja auch gewaschen werden muss. Da ist wenig Unterschied zwischen Vollbart und z.B. dem rechten Arm. Wer sich wäscht hat auch einen sauberen Bart.

Stört der nicht beim Essen?

Wir alle wissen, dass das Essen mit Bart anders abläuft, als ohne Bart. Manche Nahrungsmittel, wie Cremeschnitten, oder dick bestrichene Brote können durchaus in Kontakt mit der Oberlippe und dem Bart dazu kommen. Allerdings gilt für die meisten anderen Lebensmittel, dass man lediglich auf den Mund zielen muss. Trifft man in den Mund und nicht ins Umfeld, besteht keine Gefahr für den Bart. Tifft aber der Bartlose mit dem saftigen Gabelbissen nicht die Futterluke, sondern schlägt auf der Wange ein, ist das Problem genauso, wie beim Bartträger. Für die Argumentationsrichtlinie gilt in diesem Fall, dass der, der den Mund souverän trifft, keine Probleme mit dem Essen hat. Essen bedingt ein Mindestmaß an Hand-Auge-Koordination. Wer das erbringt, der wird mit und ohne Bart gleichermaßen satt und sauber sein. In Härtefällen bietet sich die Verwendung einer Serviette an.

Stört der Bart denn nicht beim Küssen?

Hier kann man, wenn man nicht fest gebunden ist, auch mal anbieten, den praktischen Gegenbeweis anzutreten. Die Technik ist beim Küssen entscheidend und mt ein wenig Übung lässt sich auch mit einem mächtigen Moustache ein zärtlicher und sinnlicher Kuss da platzieren, wo er hinsoll. Die Argumentationsrichtlinie wäre also auf die eigene ausreichende Erfahrung und die regelmäßige Übung beim Küssen zu verweisen. Dank ausreichend Praxis ist Küssen kein Problem. Was der Bart an Herausforderungen mit sich bringt kann man mit Routine ausgleichen.

Je nach Niveau der Unterhaltung kann man auch auf das Verhältnis Moustache zu Zunge hinweisen. Geht das zugunsten der Zunge auf, dann könnte das auch ein Beweis dafür sein, dass ein Kuss unproblematisch möglich ist. Hast Du eine romantische Ader, dann wäre auch der Satz „Küsst man die Richtige, dann stört der Bart nicht“ angemessen.

Mit dem Bartwuchs solltest Du Dich lieber rasieren.

Menschen sind verschieden und auch der Bartwuchs ist nicht bei allen Männern gleich ausgeprägt. Neben einigen wenigen Faktoren, die man beeinflussen kann, wie den Testosteronspiegel und die entsprechende Ernährung, sind die Ursachen oft außerhalb unserer Zuständigkeitsbereichs. Die Gene können dem Traum vom wallenden Vollbart, wie man ihn von Dumbledore, Gandalf und Halvar von Flake kennt leicht den Garaus machen. Allerdings gilt die goldene Regel, dass jeder Bart ein guter Bart ist. Allerdings lässt sich nicht aus jedem Bartwuchs alles machen, das muss klar sein.

Wird mal also, aufgrund des vermeintlich mangelhaften Bartwuchs blöd angequatscht, dann gilt es als erstes, das Gegenüber zu taxieren. Ist der Anquatschet ein begnadeter Bartträger, dann könnte es unter Umständen eng werden. Die Anmache am besten mit einer ausweichenden Bemerkung relativieren, den Kollegen mit ausgefallenem Wissen über den Bart („wusstest Du, das im Smithsonian Institut ein Bart gelagert wird, der 5m und 33cm lang ist?“) beeindrucken, oder einen Konter mit einer der weiter oben angeführten anmachen ausführen.

Nobody is perfect, oder No body ist perfect

Einfacher ist das natürlich, wenn die Anmache von einem Mädchen kommt, also von einem bartlosen Menschen. Ist das Mädchen weiblich hat man überhaupt gute Karten. Es gilt allerdings Vorsicht, man möchte sie ja nicht nachhaltig verletzen und keiner soll deswegen weinen. Der Bart ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal der Männer. Was beim Mann also in der unteren Gesichtshälfte wächst, das hat einen ähnlichen Stellenwert, wie z.B. die weibliche Brust. Eröffnet die Dame also die Diskussion über die Größe, Ausprägung, Konsistenz und Form der sekundären Geschlechtsmerkmale, dann hat man in den meisten Fällen ausgespochen gute Argumente. Vergleicht man jeweils mit dem Idealbild, dann wird es kaum ein weibliches Gegenüber geben, dass hier mit verschiedenen Busenwundern mithalten kann. Auf Anfrage kann ich gerne links zu einschlägigem Bildmaterial nachreichen um die Dokumentation zu vereinfachen. Man findet aber sicher unter Suchbegriffen, wie „perfect tits“ ausreichend Material zur Veranschaulichung.

Mut zu Lücke und Hängebrust

Der Bart ist schlichtweg ein Teil des Körpers. Er wächst und wird in Form gehalten. Ihn deswegen abzurasieren, weil andere Männer mehr Bartwuchs haben, ist eine seltsame Idee. Umgelegt, auf das oben angeführte Beispiel mit dem weiblichen sekundären Geschlechtsmerkmalen würde niemand auf diese Idee kommen.

Solange die eigene Lebensplanung nicht auf das Geschäftsmodell „Ich werde Bartmodell“ abzielt ist eine Abweichung vom oberen Ende der Skala zum Perfektionsgrad des Bartes weder dramatisch, noch ein Nachteil. Ein Bart braucht keinen Push Up 😉

Der Bart macht Dich alt

Das Leben ist hart und wer viel leistet und erlebt, dem sieht man das auch an. Ein Blick ins Gesicht offenbart Lebenserfahrung und spiegelt wieder, was man im Leben bisher an Erfolgen hatte. Alt zu sein ist nicht immer ein Nachteil. Erfahren zu sein ist ein Vorteil im Leben. Wer einige Jahre hinter sich gebracht hat, der muss auch nicht mehr aussehen, wie frisch aus dem Kindergarten.

Argumentativ kann man dieser Aussage mit einem simplen Hinweis begegnen. „Ich kann mich rasieren, wenn ich mich mal stören sollte. Und du?“

Der Argumentationsleitfaden

Natürlich gibt es noch mehr dumme Sprüche, die manch stolzer Bartträger Tag für Tag anhören muss. Wer aus eigener Erfahrung noch etwas beitragen kann, was ich im Teil 3 des Bärtigen Argumentationsrichtlinie bearbeiten kann, dann freue ich mich über Kommentare und jede andere Form der Kontaktaufnahme. Auch wenn Ihr mit einem der angeführten Argumente Erfolg, oder auch nicht hattet, lasst es mich wissen!

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