Bärtiger Duft

Es gibt einen Moment im Leben eines Bartträgers, der plötzlich völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Ein Wendepunkt in der Wahrnehmung des Bartes und ein großer Schritt zur bärtigen Autonomie. Der fünfte Sinn steigt in die Wahrnehmung des Bartes ein und der Duft rundet den Gesamteindruck schließlich ab.

Alle vier Sinne zusammen

Der erste Sinn, der das Glück hat, den heranwachsenden Bart wahrzunehmen, ist der Tastsinn. Sowohl von außen, bei der Berührung mit der Hand, als auch direkt in der Gesichtshaut nimmt man die Barthaar wahr. Je nach der Haarfarbe steigt fast gleichzeitig der Sehsinn in die Wahrnehmung ein. Man sieht den Bart und hat Gelegenheit sich daran zu erfreuen. Wer sich in der frühen Phase gegen den Strich durch den Bart fährt, der erfreut seinen Gehörsinn mit einem wunderbaren Geräusch, das sich mit zunehmender Länge zwar verändert, das aber auf jeden Fall zum Positiven. Aus einem Kratzen wird ein angenehmes Rascheln. In unmittelbarer Länge zum Mund ist auch der Geschmackssinn nicht weit und mit der beweglichen Zunge kann man leicht den Geschmack des aufstrebenden Gesichtsschmuck wahrnehmen.

der große Tag

Nachdem die ersten vier Sinne bereits innerhalb von Tagen den Bart wahrnehmen, so dauert es doch eine Weile, bis der fünfte Sinn auch Gelegenheit dazu bekommt. Gut, die Oberlippe liegt direkt unter der Nase und natürlich kann man, wenn man einen kleinen Schmollmund macht, auch daran riechen, aber der Vollbart, der am Kinn und an den Wangen seine Pflicht erfüllt und dem Mann zu hervorragendem Aussehen verhilft, bleibt für die ersten acht bis neun Monate ein olfaktorisches Geheimnis. Man muss sich in dieser ersten Zeit darauf verlassen, was andere über den Duft des Vollbarts denken.

Abhängigkeit

Um etwas über den Eigengeruch des Vollbarts zu erfahren, benötigt man eine Weile lang also fremde Hilfe. Wer eine Mitbewohnerin hat, der greift gerne auch in dieser Sache auf sie zurück. Dabei gibt es allerdings den Haken, dass die Wahrnehmung von Gerüchen ganz offensichtlich in weiblichen Nasen komplett anders passiert, als bei Männern. Da den meisten Männern aber andere Männer selten so nahe kommen um den Duft des Bartes wahrzunehmen und ein fachkundig-männliches Urteil zu sprechen, wird diese Variante vom Durchschnittsmann häufig gewählt. Einerseits natürlich eine gute Option, da vielleicht auch andere Frauen dem Bart näher kommen könnten und ein positives Urteil einer Testfrau lässt hoffen, dass auch andere Frauen ähnlich positiv auf den Geruch reagieren, andererseits will man aber nicht vorbehaltlos so riechen, wie eine Frau es als angenehm empfindet.

Geruch aus zweiter Hand

Ein zweites Problem ist die Tatsache, dass sich Gerüche verändern können, wenn sie in verschiedenen Milieus auftreten. Riecht man an seinem Bartöl in der Flasche, oder schnüffelt an seinen Händen, bevor man es einmassiert, so kann es sein, dass der Duft sich im Bart komplett verändert. Später ist es dann auch unmöglich, den Duft des Bartes bis zur Nase zu übertragen. Handelt es sich nicht um einen sehr intensiven Geruch, der bis zu Nase hochzieht, dann hat man keine Gelegenheit ihn wahrzunehmen. Ist der Duft derart intensiv, dann ergibt sich das Problem, dass der Duft tatsächlich über einen längeren Zeitraum in der Nase hängt und so ziemlich alles, nur nach diesem Duft riecht. Auch muss es nicht immer ein Duft sein, der sich im Bart festsetzt. Auch Küchendunst, oder der Gestank aus dem Kuhstall halten sich erstaunlich lange im Bart.

Befreiungsschlag

Hat man die Durststrecke überwunden und trägt schließlich eine Handbreit Bart unter dem Kinn, dann eröffnet sich endlich die Möglichkeit den Bart zur Nase zu führen und dort den Duft aus erster Hand wahrzunehmen. Viele Bartpflegeprodukte leben von einer intensiven Kopfnote. Der Duft, den man als erstes wahrnimmt verfliegt in den meisten Fällen aber rasch und vollständig und es entwickelt sich die Herznote, die dann sanft in der Basisnote ausklingt. Solange zwischen Bart und Nase eine unüberwindliche Distanz besteht wird man nur die Kopfnote wahrnehmen. Meist sind das Zitrusdüfte. Die tatsächliche Wirkung eines Bartöls, oder eines anderen Pflegeprodukts kann man erst wahrnehmen, wenn der Bart endlich die richtige Länge hat.

mein Duft

Endlich hat man Gelegenheit den Duft des Bartes, egal ob die Ursache parfümierte Mittel, oder unsachegemäße Verwendung des Bartes waren, wahrzunehmen. Man kann selbst entscheiden, ob man den Duft mag, oder ob man etwas dagegen tun sollte. Die Abhängigkeit von der Mitbewohnerin entfällt und man wird der Herr über den eigenen Duft.

Drum prüfe, wer dann ewig dufte

Wessen Bart noch nicht die richtige Länge hat, dem empfiehlt sich zumindest ein Langzeittest, bevor man ein Bartpflegeprodukt als angenehm empfindet. Wählt man ein Bartöl, dann sollte man auf jeden Fall zehn bis fünfzehn Minuten warten, bis man den Duft beurteilt. Gerüche, speziell solche, die aus mehreren Komponenten zusammengesetzt wurden, verändern sich in der ersten Zeit teilweise dramatisch. Dominante Bestandteile treten in den Hintergrund und machen Platz für völlig andere Duftnoten.Diese Aspekte des Duftes nimmt man erst wahr, wenn man das Verflüchtigen abwartet. Gerüche direkt aus der Flasche, oder dem Tiegel zu beurteilen kann zu wenig sein.

Lernen von den Frauen

Hier kann man von der Damenwelt noch etwas lernen. Nicht umsonst gibt es in der Parfumerie diese kleinen Papierstreifen. Besser ist es natürlich das Parfum direkt auf die Haut aufzubringen um das Zusammenspiel zu erleben. Nach Möglichkeit sollte jedes Bartpflegeprodukt, das einen Duft hat, auf der Haut, oder noch besser im Bart getestet werden. Nur so kann man erleben, wie der Duft sich entwickelt und was schließlich dabei herauskommt. Die beste und eleganteste Variante ist natürlich am eigenen Bart zu riechen. Da es unerlässlich ist, den Duft regelmäßig zu kontrollieren, sollte eine entsprechende Länge angestrebt werden.

 

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