Bartwichse, warum nicht

Wer hier brav und aufmerksam mitliest, der weiß, dass es häufig um den Moustache geht. Der Vollbart besteht nun mal aus zwei Teilen und hat damit etwas mit dem Saft aus Spaceballs gemeinsam. Da gibt es auch eine Ober- und eine Unterseite. Während Yoghurt sich um die Oberseite kümmert hat Lord Helmchen die Unterseite gepachtet. Aber ich schweife ab. Heute geht es um Bartwichse und nicht um Mel Brooks.

Üppiger Bartwuchs

Das mit den 2,8 Millimetern in der Woche, die so ein Prachtstück wächst muss ich ja hoffentlich nicht wiederholen. Die meisten meiner treuen Leser werden das ja auch am eigenen Leib erleben, wie der Bart wächst und gedeiht. Wenn man also der Natur ihren Lauf lässt und sich nicht einmischt, dann sprießen die Barthaare fröhlich dahin und schon nach einem Monat kann man einen stolzen Zentimeter zur Schau tragen. Was unter dem Kinn einen guten Anfang darstellt und den ersten bescheidenen Spielraum für einen Style zulässt, das kann auf der Oberlippe schon in Regionen vordringen, die noch nie ein Barthaar zuvor betreten hat.

Früh frisiere, wer einen Moustache züchtet

Das Problem an der Oberlippe ist die Nähe zur Oberlippe. Der Bart kann am unteren Ende des Gesichts etliche Zentimeter wachsen, ohne das geringste Problem zu machen. Versucht man das mit der Oberlippe genauso, dann wird man rasch merken, dass die Lippen neben der Beherbung mancher Barthaare auch noch andere Aufgaben haben. Man schiebt sich mehrmals täglich Speis und Trank in die dafür vorgesehen Futterluke und wenn dann der Oberlippenbart keck die Oberkante überragt und vielleicht schon mehrere Millimeter über die Lippe gewachsen ist, dann kommt es zur unvermeidlichen Kollision. Je nach Konsistenz des Essens und dem Verhältnis der Dimensionen der Portion zum lichten Maß des eigenen Mundes abzüglich des bärtigen Überhangs leidet das Bärtchen mehr, oder weniger. Aber es leidet.

Fingerfertigkeit am Besteck

Hat man bei der Nahrungsaufnahme die Bürden unserer Essenskultur zu tragen und muss statt der Finger Messer und Gabel einsetzen, dann hat man beim eigentlichen Einschieben des Futters recht wenig Handhabe. Hier muss man schon im Vorfeld mitdenken und das Essen schön klein in moustachegerechte Portionen herunterbrechen. Wenn man sein Essen so filetiert, wie es sonst nur ein Pfleger im Altersheim zustande bringt, dann kann man, eine ruhige Hand, gut ausgeprägte Hand-Auge Koordination, intaktes räumliches Sehen und ein gutes Körpergefühl vorausgesetzt, davon ausgehen, dass die Nahrungsmittel ohne Interaktion mit dem Barthaar ihren Weg in den Mund finden.

Fertigkeit mit Fingern

Hat man weniger kulturelle Zwänge, denen man sich unterordnen muss, dann könnte es vorkommen, dass man sich ein Brötchen mit unterschiedlichstem Innenleben von Hand zuführt. Auch dagegen ist nichts zu sagen und der Zeitgeist hat dafür vollstes Verständnis. Problematisch bei dieser Art der Nahrungsaufnahme ist allerdings die Tatsache, dass das oben angesprochen Verhältnis Brötchen zu Mundspannweite nicht optimal ist. Nicht, dass der Mund ein unterdurchschnittliches Öffnungsmaß aufweisen muss, es reicht schon, wenn der Burger ausmaßmäßig deutlich über der bärtigen Kollateralschadensfreigrenze liegt. Wer also gerne mit der Höhe seines Burgers, oder mit der unglaublichen Menge an Alles im Döner angibt, der muss ich auf eine Unvereinbarkeit mit dem gepflegten Moustache gefasst machen.

Der Trick mit dem Finger

Wer es dennoch mit 500g Fleisch im Brötchen aufnehmen möchte, der kann den Trick mit dem Zeigefinger probieren. Dieser Trick ist eigentlich ganz einfach und mit ein wenig Übung leicht zu erlernen. Im Prinzip fasst man das Brötchen fast so, wie immer. Nur lässt man dabei die Zeigefinger aus dem Spiel. Die beiden, die dann an der Zufuhr des Fleischbergs zur Mundöffnung nicht beteiligt sind können, quasi als Vorhut, die Rolle des Tür- und Bartöffners einnehmen. Man führt die Fingerspitzen aneinander und schiebt mit dem Rücken der Zeigefinger den Moustache sanft zur Seite und nach oben, während die restlichen acht Finger die Gelegenheit nutzen und einen herzhaften Bissen zwischen die Kauleisten schieben.

Alles schmeckt nach Bart

Auch abseits der eigentlichen Nahrungsaufnahme kann ein ungezähmter Moustache für Probleme sorgen. Die Barthaare rutschen immer wieder in die Mundwinkel und müssen ständig wieder an ihren Platz befördert werden. Auch das Trinken ist ein Problem, weil oft reichlich Getränk sich im Schnauzer sammelt und nach dem absetzen gerne auf die Oberbekleidung tropft. Die Serviette ist ohnehin die beste Freundin, wenn man am Moustache arbeitet.

wohin soll das führen

Wer sich einen ordentlichen Moustache stehen lassen möchte, der muss da durch. Der Aufwand lohnt sich allerdings auf jeden Fall. Wenn man z.B. den Moustache von Markus Rall betrachtet, dann wird klar, dass man durchhalten sollte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und sobald die Barthaare die Mundwinkel überwachsen haben ist auch das Problem mit den Haaren im Mund gelöst. Mittig kann man entweder mit einer geeigneten Bartschere, oder einem Barttrimmer nachschneiden, oder auch hier länger wachsen lassen und dem Bart einen Scheitel ziehen.

und dann kam die Bartwichse

Damit die männliche Pracht auf der Oberlippe auch ein optischer Aufputz wird und im Alltag nur minimal stört nutzt man am besten Bartwichse. Die Bartwichse wird in zwei Kategorien eingeteilt. Die ungarische Bartwichse ist weich und eher eine Pomade. Damit kann man den ganzen Bart formen und fixieren. Wer sich der hohen Kunst des Moustache widmen und die Enden zwirbeln möchte, der sollte die bayrische Bartwichse verwenden. Der Anteil an Wachs ist deutlich höher, als in der ungarischen Wichse und damit kann man mit der bayrischen Bartwichse die Enden hervorragend zwirbeln und über längere Zeit in Form halten.

 

Des einen Freund, des andern nicht

Die Serviette, die der moustachebewußte Bartträger immer zu Hand haben sollte, ist eine Wohltat für die, mit Mayo, Senf und Tunke verklebte Pracht, aber ein Problem für die Menge an Bartwichse im Bart. Mit jedem Gramm Sauce geht auch ein wenig von der Wichse mit und das Bärtchen hält Nachmittags seine Form nicht mehr ideal. Es empfiehlt sich daher Bartwichse zur Hand zu haben und damit nach dem Essen nachzubessern. Die Bartwichse sollte man aber nicht unbedingt in der Hosentasche aufbewahren um zu verhindern, dass sie durch die Körperwärme zu weich wird.

Wissenslückenfüllung

Wer sich im ersten Absatz über die Bemerkungen über Yoghurt und seinen Saft gewundert hat und es nicht zuordnen konnte, dem möchte ich den Film Spaceballs ans bärtige Herz legen. Nach fast dreißig Jahren wahrscheinlich nicht mehr das, was man sich im Kino ansehen würde und aufgrund der alterbedingt schlechten Qualität wohl am heimischen Dolby-Surround-Heimkino-System eher unscharf anmutend ist das doch ein Stück Filmgeschichte, das man nicht verpasst haben sollte.

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.