Der unsichtbare Windsor – Bart und Krawatte

Klar kann man den Vollbart zu jedem erdenklichen Anlass tragen, aber gesellschaftlich anerkannt ist das nur dann, wenn man außer dem Vollbart noch etwas anderes trägt. Auch wenn es vor 2 Millionen Jahren in der afrikanischen Steppe noch völlig in Ordnung war, nur die Körperbehaarung zu tragen, so hat sich unsere Spezies doch etwas weiterentwickelt. Statt Brust- und Rückenfell trägt der Gentleman heute Hemd und wo früher ein behaartes Hinterteil unsere Rückansicht dominierte, da wird heute Alles fein säuberlich in eine Hose gepackt. Vorne trägt man heute Krawatte.

Früh übt

Auch wenn anhand der Knochenfunde der Urmenschen nicht mit Bestimmtheit die Bartlänge der Vorfahren abgeleitet werden kann, so kann man davon ausgehen, dass die Herren zumindes einen Drei-Tage-Bart trugen. Mangels der Erfindung von Rasiermesser, Rasierpinsel und Rasierseife muss man aber eher von einem Vollbart ausgehen. Vielleicht ein Ganzkörpermodell, aber auf jeden Fall Bart. Die längst verstorbenen Herren hatten allerhand Probleme im Leben. Raubtiere und Hunger sind zwei davon, die wir heute nur noch in Ausnahmefällen haben.

Die Frauen als globales Männerproblem sind zwar noch immer problematisch, aber viele andere Alltagssorgen haben sich grundlegend verändert. Statt mit Höhlenbären schlagen wir uns mit Bauträgern und anderen Interessenten um unsere Behausungen und wer etwas zu essen braucht, der geht nicht auf die Jagd, sondern in den Supermarkt. Styling war damals weniger ein Problem und statt Phallussymbolen trug man wenig symbolisch seinen kleinen Freund deutlich sichtbar vor sich her. Heute sind wir da etwas subtiler.

Kräftige Manneskraft

War in der Urzeit das gegenseitige Taxieren eine schnelle Angelegenheit und Bindegewebselastizität und exakte Körperproportionen konnten vor der Entscheidung begutachtet werden, so brauchen wir heute etwas mehr Fantasie. Bis auf einschlägige Etablissements und pikante Fernsehsendungen gibt es wenig Gelegenheit zur konkreten Begutachtung der körperlichen Eignung. Dummerweise lässt sich heute allerhand kaschieren und auch so einiges hochschnallen, was die Partnerwahl, zumindest bei der Überprüfung der körperlichen Eignung, erheblich komplexer macht, als früher. Damit wir uns trotzdem ein Bild von jemanden Machen können, haben wir da und dort Tricks auf Lager. Das Unterbewußtsein mischt auch kräftig mit, daher haben (er)findige Schneider über die Zeit nicht nur allerhand Tricks zur Unterstreichung unserer Vorzüge gefunden, sondern auch ein paar Symbole entwickelt, die in ihrer Schlichtheit doch recht eindeutig sind.

Diese Kroaten

Schuld an der ganzen Symbolik sind kroatische Soldaten, die zu ihren Uniformen lange Halstücher trugen, als sie 1663 für Ludwig XIV aufmarschierten. Begeistert von der Wirkung übernahm Ludwig direkt die Idee und baute sie langsam aber sicher zu dem aus, was man heute in Chefetagen trägt. Die Krawatte war geboren und über die Jahre hat sie sich ordentlich entwickelt. Dank Sigmund Freud wissen wir heute, dass die Krawatte ein ordentliches Phallussymbol ist, also eben den kleinen Freund symbolisiert, den wir seit ein paar tausend Jahren nur guten Bekannten zeigen. Länge und Breite der Krawatte haben sich über die Jahre gewandelt und hatte man in den 60er und 70er Jahren noch eine breite Spitze, so trägt man heute bevorzugt eine schmale Krawatte.

Komplizierte Knoten

Wenn es darum geht, die Krawatte stilsicher um den männlichen Hals zu binden, haben Segler, Angler und eifrige Pfadfinder klare Vorteile. Es gibt angeblich 85 Möglichkeiten die Krawatte zu binden. (Die Formel dazu lautet übrigens 1/3*(2^(h-2) – (-1)^(h-2)). Das Schlechte daran ist, dass man beim Binden der Krawatte weitgehend auf sich gestellt ist und ein Knoten leicht einmal schief sitzt, oder in Volumen und Form einfach nicht den Vorstellungen entspricht. Das Gute daran ist der Vollbart! Wie so oft ist auch dieser Lebensbereich einfacher, wenn man einen Vollbart trägt.

Ob man eine Schlaufe bindet, einen Galgenknoten, oder ganz einfach einen Doppelknoten macht ist egal! Wer Vollbart trägt und nicht von berufs wegen öfter mal den Kopf in den Nacken wirft, kommt mit einem stümperhaften Krawattenknoten genauso über die Runden, wie der rasierte Kollege, der täglich mit Zunge zwischen den Lippen den Eldredge Knoten bindet. Und wir haben einen gewaltigen Vorteil beim Tragen einer Krawatte. Als Phallussymbol kommt es natürlich auch auf die Länge an und die ist mit einem einfachen Knoten natürlich wesentlich größer, als wenn man 30cm Krawatte in den Knoten investiert 😉

Herrenausstatter

Will man eine Krawatte kaufen, dann bietet sich heute ein Onlineeinkauf an. Die Passform ist zweitrangig und eine große Auswahl schöner Farben und Muster steht zusammen mit der Qualität an erster Stelle. Speziell in der Kombination mit dem Vollbart ist die Farbe und evtl. das Muster ein wichtiges Kriterium. Passend zum Bart gibt es auch Wollkrawatten, die sehr schön wirken und keinen so großen Kontrast zum Barthaar ergeben. Allerdings, das muss man offen zugeben, leiden Krawatten hinter dem Bart doch mehr, als an der Brust des kahlgesichtigen Herren.

Das drahtige Barthaar reibt bei jeder Bewegung des Kinns an der Krawatte und nützt sie ein wenig ab. Außerdem ist der Vollbart selbst ja schon ein barthaargewordenes Phallussymbol und wer täglich Hemden trägt, der kennt den Vorteil, dass man hinter dem Bart auch mal den zweiten Hemdknopf offenlassen kann. Wer das mit dem Bart richtig macht, der kann auch den dritten Knopf weglassen und die echten Meister brauchen das Hemd garnicht zu schließen und können das wunderbare Gefühl der Barthaare an Bauch und Brust den ganzen Tag genießen, ohne im Büro negativ aufzufallen. Wer statt der Krawatte lieber einen ordentlichen Vollbart trägt, der kann als Alternative auch zum Hosenträger greifen.

Praktisch und nützlich

Der Hosenträger symbolisiert zwar weniger unsere Männlichkeit, als die Krawatte das tut, kann aber mit stilvollem Muster und auf das Outfit abgestimmten Farben unseren Stil unterstreichen. Außerdem kann der Hosenträger noch etwas. Er zeigt Individualität. Wer konsequent Hosenträger trägt, der kann damit seine Marke etwas ausbauen. Ist man heute der Typ mit dem Bart, dann kann man morgen schon der Typ mit dem Bart und den Hosenträgern sein. In Zeiten steigender Bartträgerzahlen eine gute Möglichkeit, sich von den anderen abzuheben. Auf jeden Fall gehören ein ordentliches Outfit und passende Accessoires unbedingt zu einem Bartträger. Egal, ob man sich für die Disko, eine Kindergarteneröffnung, oder ein Bewerbungsgespräch kleidet – als Bartträger sollte man sehr auch sein Äußeres achten. Ein prächtiger Vollbart fällt auf und man muss ständig damit rechnen, von anderen gemustert zu werden. Als Markenbotschafter des Bartes solltest Du dann unbedingt allen Blicken standhalten und auch außerhalb des Gesichtes perfekt aussehen!

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