Bart am Grill

Früher war die Rollenverteilung ganz klar. Der Mann ist morgens aus dem Haus gegangen und hat am Abend die Kohle heimgebracht. Untertags hat Frauchen am heimischen Herd das Essen zubereitet und den Haushalt gemanagt. Futteraufbereitung war reine Frauensache und der Ehegatte hat mit dem Essen nur auf Konsumentenseite etwas am Hut. Die Ausnahme war und ist der Grill.

geräucherter Bart

Auch wenn die Rollenverteilung heute nicht mehr ganz so streng gelebt wird und Lafer, Lichter und dieser Lecker, den man in der Sendung so selten sieht, sich auch in Männerherzen gekocht haben, so ist eine Sache einfach so gleich geblieben, wie früher. Am Grill hat das weibliche Geschlecht Pause. Feuer machen und bewachen ist seit Jahrmillionen Männersache und wir werden ja wohl nicht die Generation sein, die die lange Tradition nicht mehr weitergibt. So stehen wir also mit unseren Söhnen vor dem Grill. Unseren Bauch und seine Nase am Grill gewärmt und ganz stilvoll mit einem geeigneten Kaltgetränk in der einen und dem Grillbesteck in der anderen Hand. So starren wir ins Feuer und garen das Grillgut gekonnt souverän auf den Punkt und wenn der Punkt mal falsch eingeschätzt wurde, dann liegt das am exotischen Grillgut mit physikalisch unvorhersehbaren und auch sehr untypischen Eigenschaften und außerdem wollen ja alle ihr Würstchen well done…

Heißer Grill

Soweit so wunderbar und auch der männliche Bartträger ist genauso ein Mann, wie der rasierte und wenn es ums Grillen geht, dann steht er auch in der ersten Reihe direkt am Grill, wendet fein mariniertes und löscht Kleinbrände.

Das Problem beim Bart ist nur die Temperatur. Die Glut verströmt, wie vom bärtigen Grillmeister natürlich präzise berechnet, eine fast schon höllische Hitze ab und man hat alle Hände voll zu tun, die Steaks zu wenden und platzende Würstchen zu versorgen. Die professionelle Arbeit am Grill bedingt zwangsläufig, dass der verantwortliche Griller immer wieder sein gepflegt behaartes Gesicht bei der Durchführung des prüfenden Blicks zum Grill herabbewegt. Wer sich dann an der Zeit, als der eigene Vater ihm das Grillen gezeigt hatte und die damit verbundene altersgerecht ausständige Behaarung des Gesichts erinnert und die letzten Monate und Jahre der gepflegten Bartzucht außer Acht lässt, der kann eine böse Überraschung erleben. Der Bart brennt wie Zunder und schnell kann der es ins Auge gehen, wenn der Bartträger sich dem Kotelett zu weit nähert. Auch wenn das Bärtchen nicht gleich komplett verpufft, zumindest ein leichtes Ankokeln kann schon passieren, wenn man zu eng mit dem Feuer spielt. Also Vorsicht!

Explodierende Würste

Wer für Fleischfresser grillt, und/oder wenn Kinder im Spiel sind, dann werden doch auch ein paar Würstchen ihren Weg auf den Rost finden. Bei ausreichender Glut kann es passieren, dass der, durch die Hitze in der Pelle resultierende Überdruck zur Folge hat, dass die Pelle ihr Hüllenintegrität verliert und die Schutzschilde herunterfährt. Ein Teil der Wurst wird dann ausgeworfen, wie Picards feinster Photonentorpedo und damit ein Druckausgleich zwischen Pelleninnerem und der Außenwelt hergestellt. Hängt dann Dein Prachtstück im Weg, denn gibt es einen Treffer und statt Bartöl sorgen Wurstinnereien für eine fragwürdige Bereicherung Deiner Optik.

Raucharomen

Die beim Grillen so beliebten Raucharomen aben im Bart eigentlich auch nichts verloren, aber wenn der Bartträger neben dem Grill steht und der Wind dreht, dann lässt sich eine Räucherung nicht verhindern. Dein Prachtstück ist also dem Rauch über Stunden ausgesetzt und leidet dadurch natürlich. Auch wenn mit freiem Auge nicht ersichtlich, der Rauch, die Hitze und natürlich auch die fliegenden Wurstinhalte fügen Deinem gepflegten Bärtchen Schaden zu.  Die Haarstruktur wird durch die Hitze rauer und der Rauch kann tief in die Haare eindringen.

Prophylaxe für den Grillmeister

Drum vorbereite, wer demnächst grille. Wer nicht will, dass der eigene Bart am Morgen danach noch riecht, wie die Wurst am Abend davor und auch noch zwei Wochen nach der Grillerei die Nasenschleimhäute permanentem Grillaromendauerfeuer ausgesetzt sind, der sollte den Bart vor dem Einsatz am Kohlenfeuer mit Bartöl versiegeln. Durch das Bartöl wird verhindert, dass das Haar zu sehr austrocknet und dadurch für Aromen und Verschmutzung empfänglicher wird. Wer also nicht zum Frühstück grillt sollte seinem Bärtchen untertags noch eine Extraportion Bartöl spenden, damit der Morgen danach wird, wie der Morgen davor.

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